01.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Auf seiner Webseite nennt Kusch auch die Kosten
Foto: NZ-Screenshot/Roger Kusch
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Hunderte Hilfsgesuche habe er bekommen, seit er eine Frau bei ihrem Suizid begleitet habe, berichtet der Ex-Senator. Nun hat Kusch eine Internetseite eingerichtet - dort steht erstmals der Preis für seinen umstrittenen Service.
Der ehemalige Hamburger Justizsenator Roger Kusch hat für seine umstrittene Suizidhilfe eine eigene Internet-Seite eingerichtet. Seit Montag finden Sterbewillige dort «eine erste Orientierung», wie Kusch in Hamburg mitteilte. Neben den Voraussetzungen und dem zeitlichen Ablauf nennt der promovierte Jurist auf der Website erstmals einen Preis: Bis zu 8000 Euro soll seine Sterbebegleitung kosten.
Mit der Seite reagiert Kusch nach eigenen Angaben auf die große Anfrage. Seit vor zwei Monaten seine Begleitung einer Frau aus Würzburg publik wurde, habe er 300 bis 500 Hilfsgesuche bekommen, sagte Kusch. Ende Juni hatte er die 79-jährige Bettina S. begleitet, die sich mit einem tödlichen Medikamenten-Mix das Leben nahm. Der von Kusch entwickelte Selbsttötungsautomat war dabei nicht zum Einsatz gekommen.
Die Staatsanwaltschaft Würzburg hatte Ermittlungen zu den Umständen des Todes aufgenommen. Mit der neuen Website will Kusch nach eigenen Angaben Menschen die Möglichkeit bieten, festzustellen, ob sie überhaupt für seine Suizidbegleitung in Frage kommen. So erklärt er dort beispielsweise, nur Menschen zu unterstützen, die an einer unheilbaren körperlichen Erkrankung leiden.
Zu dem Preis heißt es dort, der Betrag werde individuell vereinbart «unter Berücksichtigung der finanziellen Situation des Sterbewilligen». Die Kontakte bis zum ersten persönlichen Treffen seien kostenlos. Seine erste Suizidbegleitung hatte Kusch noch kostenlos angeboten. Einen Termin für die nächste Sterbehilfe gebe es noch nicht, er sei derzeit aber bundesweit mit einigen Menschen in konkretisierenden Gesprächen, sagte Kusch.
Heftige Kritik von der Deutschen Hospiz StiftungDer geschäftsführende Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, sagte in Berlin, Kusch habe seine Maske fallenlassen: «Statt sich tatsächlich an die Seite Schwerstkranker und Sterbender zu stellen, geht es ihm ganz billig ums Geschäft.» Brysch forderte die Politiker auf, sich endlich über Parteigrenzen hinweg auf ein Verbot der kommerzialisierten Beihilfe zum Suizid zu einigen: «Suizidhilfe ist keine Sterbebegleitung.»
Auch die bayerische Justizministerin Beate Merk kritisierte Kuschs «Geschäftemacherei mit dem Tod». Mit der Internetwerbung und der unverhohlenen Geldforderung werde «der ganze Zynismus und die Menschenverachtung der kommerziellen Suizidbeihilfe nun für jedermann offenbar». (AP)