Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Deutsche Reaktionen auf Kaukasus-Krise: 

Berlin hält an Dialog mit Moskau fest

27. Aug 2008 17:47
Bundeskanzlerin Angela Merkel setzt trotz des brachialen Vorgehen Russlands auf Dialog
Bild vergrößern
Kanzlerin Merkel hat Russlands Vorgehen im Kaukasus zwar verurteilt, gegenüber Staatschef Medwedew aber Dialogbereitschaft signalisiert. «Es bleibt uns gar nichts anderes übrig», meint auch Außenminister Steinmeier.

Trotz tiefgreifender Differenzen mit Russland will die Bundesregierung die Kaukasus-Krise gemeinsam mit den europäischen Partnern entschärfen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verurteilte in einem Telefonat mit dem russischen Präsidenten Dmitri Medwedew am Mittwoch die Anerkennung der Unabhängigkeit der georgischen Provinzen Abchasien und Südossetien. Zugleich signalisierte Merkel aber Dialogbereitschaft. Am Vortag hatte die Kanzlerin Russlands Vorgehen im Kaukasus als völlig «inakzeptabel» kritisiert.

Merkel warf Russland im halbstündigen Gespräch mit Medwedew fehlende internationale Absprachen vor. «Ich habe (...) deutlich gemacht, dass ich erwartet hätte, dass man in den Gremien OSZE oder UN-Sicherheitsrat über die Frage spricht.« Es sei aber wichtig, das direkte Gespräch zu suchen.

«Unvereinbare Standpunkte»

Zudem forderte Merkel die russische Führung auf, den Sechs-Punkte-Plan unverzüglich umzusetzen. Die Präsenz russischer Truppen in Georgien außerhalb von Abchasien und Südossetien sei eine gravierende Verletzung dieses Plans. Dagegen hieß es aus dem Kreml: Russland habe alle Vereinbarungen des Sechs-Punkte-Plans befolgt. Außerdem habe Medwedew den Westen zuvor über die Anerkennung der Provinzen informiert.

Regierungssprecher Ulrich Wilhelm sprach von «unvereinbaren» Standpunkten in der Frage der Anerkennung. Dennoch gebe es ein gemeinsames Interesse an einem «internationalen Mechanismus», der einen Rückzug der russischen Truppen im Kernland von Georgien ermögliche.

OSZE-Kräfte aufstocken

Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung
Bild vergrößern
Um den Konflikt zu entschärfen, könnten russische Einheiten in die laufende OSZE- Mission eingegliedert werden, schlägt Wilhelm vor. Die Bundesregierung setze darauf, dass ein beharrliches Vorbringen der europäischen Positionen letztlich Wirkung auf Moskau zeige. Der EU-Sondergipfel am kommenden Montag in Brüssel biete eine Gelegenheit zur Formulierung der Position.

Für die Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit (OSZE) sind derzeit vier deutsche zivile Mitarbeiter im Einsatz in Georgien. Laut Bundesverteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) werden zwei unbewaffnete Soldaten der Bundeswehr als Beobachter zur Unterstützung der Mission in die Region entsandt. Insgesamt können nach Regierungsangaben bis zu 15 Militärbeobachter eingesetzt werden. Die Mission umfasst 200 Kräfte, darunter 46 internationale Beobachter.

Jung sagte, die OSZE-Gruppe solle erst um 20 und später um weitere 80 Kräfte aufgestockt werden. Deutschland solle zehn Prozent der unbewaffneten Soldaten stellen. Die Linksfraktion begrüßte die Aufstockung als Beitrag zur Friedenssicherung.

Europa ist nicht hilflos

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hält den weiteren Dialog mit Russland für unabdingbar. «Es bleibt uns gar nichts anderes übrig», sagte er in Schmerwitz in Brandenburg. Sonst werde die Stabilität nicht gelingen. Auch bei der geplanten Stationierung von OSZE-Beobachtern werde Russland gebraucht. In der «Bild»-Zeitung forderte er ein sofortiges Ende der «Spirale der Provokationen».

Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), hält den Westen nicht für hilflos gegenüber Moskau. «Russland ist auf eine Modernisierungspartnerschaft mit der Europäischen Union angewiesen», sagte er im ZDF. Seit dem Georgien- Konflikt habe Russland 15 bis 20 Milliarden Euro verloren wegen Unsicherheit von Investoren. EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering (CDU) forderte eine klare Sprache, aber weiteren Dialog. (dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.