24.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Will Richtung und Tempo bestimmen: Sellering
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Der bisherige Sozialminister Sellering soll Mecklenburg-Vorpommerns langjährigen Ministerpräsidenten Ringstorff ablösen. Er hat große Ziele vor Augen und gab sich auf einem Sonderparteitag der SPD kämpferisch.
Erwin Sellering ist bereit. Mecklenburg-Vorpommern, das zuletzt mit hohen Wachstumsraten in Wirtschaft und Export, deutlich sinkender Arbeitslosigkeit und dem Abbau seiner Schulden für Aufsehen gesorgt hatte, soll unter seiner Führung den erfolgreichen Weg fortsetzen.
«Lasst uns große Ziele setzen», rief er den 87 Delegierten zu, die am Sonntag auf dem SPD- Sonderparteitag in Güstrow für ihn als Nachfolger des scheidenden Ministerpräsidenten Harald Ringstorff votierten. Gut 87 Prozent Zustimmung machten dem gebürtigen Westfalen deutlich, dass er in der von ihm seit 2007 geführten Partei auf breite Unterstützung bauen kann. Aber auch, dass er offenbar noch nicht alle überzeugt hat, in die großen Fußstapfen Ringstorffs zu passen.
Eigenwilliger «Landesvater»Der 68-Jährige, der nach zehn Jahren im Amt am 3. Oktober zurücktreten wird, hat Partei und Land nachhaltig geprägt. Keiner seiner beiden CDU-Vorgänger stand länger an der Spitze einer Regierung und wohl keiner verkörperte so sehr den Typ des «Landesvaters», wie der oft als stur und eigenwillig beschriebene Ringstorff, der nun für sich entschied abzutreten. «Zu einer verantwortungsvollen Amtsführung gehört auch, den Staffelstab rechtzeitig weiterzugeben. Allens hät siene Tied. Un nu ward Tied», sagte der Mecklenburger in dem von ihm geliebten Platt.
Dass Ringstorff mit der Ankündigung seines Rücktritts Anfang August selbst engste Parteifreunde überraschte, gehört zu seinen Eigenarten. «Es kam ihm immer darauf an, selbst zu bestimmen und nicht getrieben zu werden», sagte Sellering, der auch lange Zeit im Ungewissen war, wann er denn das Ruder übernehmen kann. Es wird voraussichtlich am 6. Oktober sein. Seine Wahl im Landtag gilt als sicher, denn Koalitionspartner CDU hat schon Zustimmung signalisiert.
Sellering will Tempo und Richtung bestimmenWie Ringstorff will sich auch Sellering nicht von anderen treiben lassen, sondern selbst über Richtung und Tempo bestimmen. So bügelte er den Versuch einer vorpommerschen Delegierten ab, den umstrittenen Bau eines Kohlekraftwerks in Lubmin bei Greifswald auch auf dem Nominierungsparteitag zu thematisieren. «Dazu bräuchten wir einen Extraparteitag», beschied er der Parteikollegin, nicht ohne ihr zu versichern, dass er weiterhin versuche, in politischen Gesprächen den dänischen Investor Dong Ebergy zur Halbierung der Kraftwerksleistung zu bewegen.
Beharrlich weigerte sich der neue starke Mann in der SPD auch, Namen für die Besetzung der drei freiwerdenden Ministerien zu nennen. Mit Ringstorff werden Finanzministerin Sigrid Keler und Verkehrsminister Otto Ebnet (beide SPD) ihre Ämter räumen. «Es wird ab morgen Gespräche geben.» Viel mehr sagte Sellering am Sonntag dazu nicht.
Schwierige PersonalentscheidungenDie Personalentscheidungen werden für die Partei, die bei den Landratswahlen jüngst in Vorpommern empfindliche Schlappen erlitt, von größter Bedeutung sein und viel Fingerspitzengefühl verlangen. Denn interne Grabenkämpfe kann sich die gerade 2800 Mitglieder zählende Landespartei ein knappes Jahr vor den Kommunalwahlen in Mecklenburg-Vorpommern nicht leisten. Sellering muss schon bald beweisen, dass er die neue Machtfülle klug und erfolgreich nutzen kann. Den Willen dazu demonstrierte er in Güstrow schon deutlich. (Frank Pfaff, dpa)