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Streit um Endlager: 

Koalition weiß nicht wohin mit dem Atommüll

21. Aug 2008 11:03
Wohin mit dem Müll?
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Milliarden Euro werden für die Erkundung neuer Atommülllager ausgegeben, bislang ohne Erfolg. Was mit den riesigen Mengen radioaktiven Mülls zukünftig geschehen soll, will keiner beantworten- trotzdem wollen Politiker die AKW-Laufzeiten verlängern.

Steigende Energiepreise beherrschen die Schlagzeilen, und immer wieder kocht der Koalitionsstreit um den Atomausstieg hoch. Nur selten jedoch geht es um die Sicherheit der Kernenergie - meistens bei Störungen in alten Atommeilern wie vor gut einem Jahr in Krümmel und Brunsbüttel in Schleswig-Holstein. Ganz gelegentlich ist von der Suche nach einem geeigneten Endlager die Rede, das den gesamten hoch strahlenden Atommüll aufnehmen soll. Dabei verpflichtet die Koalitionsvereinbarung CDU/CSU und SPD eigentlich, Verfahrensfragen für diese Endlagerung der abgebrannten Brennstäbe zu klären - in Interesse kommender Generationen.

Dieser Zug ist scheinbar abgefahren, wie Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) jetzt deutlich machte - nicht ohne der Union in Bayern und Baden-Württemberg die Schuld zuzuweisen. Anfangs habe es noch die Unionsbereitschaft gegeben, über das von ihm vorgelegte Endlager-Konzept zu beraten. «Das ist am Veto von Bayern und Baden- Württemberg gescheitert. Ich glaube, dass das eine verpasste Chance war.» Erst kürzlich hatte CSU-Chef Erwin Huber im bayerischen Landtagswahlkampf Gabriels Forderung zurückgewiesen, als Alternative zum niedersächsischen Salzlager Gorleben ein bayerisches Endlager vorzuschlagen. Die Union setzt insgesamt auf Gorleben, ohne anderswo Gesteinsformationen wie Granit alternativ zu prüfen.

Gabriel führt die Union vor

Gabriel und der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), Wolfram König, verweisen dagegen auf das scheinbar vorbildliche Sondierungsverfahren der Schweizer - ausgerechnet an der Grenze der baden-württembergischen Nachbarn. Gabriel versteht es nun geschickt, die Union vorzuführen, indem er die Endlager-Frage gerade als Aufgabe derjenigen ansieht, die über 2022 hinaus verlängerte AKW- Laufzeiten wollen und damit zugleich noch mehr atomaren Müll produzieren.

Dabei gab es schon Ende 2007 rund 12.500 abgebrannte Brennelemente, wie König kürzlich mitgeteilt hatte. Komme es zum schrittweisen regulären Ausstieg der jetzt noch 17 Atommeiler nach 2020, werde sich diese Menge weiter auf 17.100 Tonnen erhöhen. Bei einer Verlängerung der Laufzeiten um zehn Jahre kämen noch einmal 4400 Tonnen hinzu.

Milliarden Euro für die Endlager

Das Pannen-Bergwerk Asse bei Wolfsburg - mit seiner durch radioaktive Lauge gefährdeten Fracht von 126.0000 Fässern mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall - hat die Gefahren unzureichender Endlager-Sicherung vor Augen geführt. Für dieses vom Bund (Helmholtz Zentrum München) betriebene Forschungsbergwerk spricht die Bundesregierung von bisher und künftig zu erwartenden Kosten der öffentlichen Hand von rund 850 Millionen Euro. Auch Morsleben in Sachsen-Anhalt - ein atomares Bergwerks-Erbe der DDR - zeigt Schwächen, so dass die Kostenschätzungen für die Sicherung des Bergwerks von 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro reichen. Die Erkundungen in Gorleben, wo seit Jahren ein Moratorium herrscht, sollen laut Regierung bisher 1,5 Milliarden Euro gekostet haben.

Zwar erfordert der stufenweise Ausstieg aus der Atomwirtschaft erst allmählich ein Endlager für stark strahlenden Müll. Dennoch drängt die Zeit, wie König deutlich machte: «Selbst wenn wir heute die Erkundung weiterführen, wüssten wir erst mit einem Planfeststellungsbeschluss in 15 Jahren, ob der Salzstock von Gorleben wirklich geeignet ist.» (Wolfgang Bunse, dpa)

 
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