20. Aug 2008 10:30
Die Chefin der hessischen SPD hat nach eigenen Angaben ein entspanntes Verhältnis zur Linkspartei. Sie glaube nicht, dass sie die Bundespartei durch eine Zusammenarbeit mit der Linken beschädigen würde, sagte Ypsilanti in einem Interview. Schröder hätte genauso gehandelt.
Dies seien Menschen, die aus «sozialpolitischer Verantwortung heraus Politik machen. Denen ist soziale Gerechtigkeit wichtig.» Ihr eigenes Verhältnis zur Linken bezeichnete die Sozialdemokratin als «entspannt». Ypsilanti bekräftigte in dem Interview ihre Absicht, sich mit den Stimmen der Linken zur Regierungschefin einer rot-grünen Koalition wählen zu lassen: «Ja, ich will Ministerpräsidentin werden.» Zugleich wies sie Vorwürfe zurück, ihr Vorhaben beschädige Parteichef Kurt Beck oder Außenminister Frank-Walter Steinmeier als möglichen SPD- Kanzlerkandidaten: «Wenn wir Sozialdemokraten in Hessen eine Minderheitsregierung zustande bringen und diese Regierung ordentlich arbeitet, dann sehe ich nicht, wo der Schaden für die Bundespartei sein soll.»
Sie sei sicher, dass auch Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder an ihrer Stelle diese strategische Option nicht «schnöde zurückweisen» würde. Ypsilanti klagte über hohen Druck, dem sie ausgesetzt sei. «Was da getrieben wird, ist teilweise wirklich hysterisch (...), das bereitet mir buchstäblich Kopfschmerzen.» Bevor sie sich im Landtag zur Wahl stelle, werde sie mit allen SPD-Abgeordneten Vier-Augen-Gespräche führen. Ein Scheitern sei aber immer möglich. «Man guckt den Leuten auf die Stirn, nichts ins Hirn.» Die SPD-Landeschefin wird voraussichtlich im November einen zweiten Anlauf unternehmen, sich mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken zur hessischen Ministerpräsidentin wählen zu lassen. Ein erster Versuch war im März am Widerstand der SPD-Abgeordneten Dagmar Metzger gescheitert. Metzger hat angekündigt, sich dem Linkskurs ihrer Parteivorsitzenden erneut zu verweigern. Ypsilanti wäre so bei einer Wahl zur Ministerpräsidentin auf jede einzelne Stimme des rot-rot-grünen Lagers im hessischen Landtag angewiesen. (dpa, nz)