19.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Was weiß das Netz über dich? Yasni-Homepage
Foto: Screenshot: nz
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nicht der Datendieb ist der ärgste Feind des ahnungslosen Bürgers, sondern dessen Ahnungslosigkeit: Wichtig wäre ein Bewusstsein der Bürger dafür, dass sie etwas zu verbergen haben, meint Christian Bommarius in der «Berliner Zeitung».
Es gibt keinen zuverlässigen Datenschutz. Es gibt ihn nicht und kann ihn auch nicht geben. Erstens, weil persönliche Daten über den Kontostand, Krankheiten, Konsumwünsche in der Wirtschaft nicht als persönliche Daten betrachtet werden, sondern als unpersönliche Profitressource, als legale Ware wie ein Autoreifen oder als illegale Ware wie Koks und Heroin.
Zweitens könnte selbst der rechtstreueste Datenhändler nicht der Versuchung zum Missbrauch widerstehen, weil die Bedenkenlosigkeit der meisten Bürger im Umgang mit ihren persönlichen Daten den Missbrauch geradezu erzwingt. Keine Droge ist weltweit so erfolgreich wie die semantische Beruhigungspille der Gegenwart: «Ich habe nichts zu verbergen.»
Und drittens ist es natürlich die Technik des Internet selbst, die allen Sicherheitsvorkehrungen zum Trotz den Missbrauch ermöglicht. Der Unterschied zwischen einem Portemonnaie und einem Safe besteht nicht darin, dass in dem einen das Geld leicht zugänglich, im anderen sicher verwahrt ist, sondern nur darin, dass das Knacken des Safes den versierten Einbrecher verlangt.
Schärfere Gesetze oder das Verbot gewerblichen Handels mit Daten ohne die ausdrückliche Zustimmung des Betroffenen werden wohl den einen oder anderen Missbrauch verhindern. Beseitigen dürften sie ihn nicht. Auch die Forderung, den Datenschutz ins Grundgesetz zu schreiben, ist nicht falsch. Aber noch wichtiger wäre ein Bewusstsein der Bürger dafür, dass sie etwas zu verbergen haben.