Spekulationen um Müntefering: 

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Vorwärts, Genossen: Franz Müntefering wird vermisst (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Vorwärts, Genossen: Franz Müntefering wird vermisst
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Parteichef? Minister? Kanzlerkandidat? Die SPD sehnt die Rückkehr von Franz Müntefering in die politische Arena herbei. Doch zumindest auf dem linken Parteiflügel gibt es auch Planspiele, den Sauerländer elegant wegzuloben.

Angesichts schwacher Umfragewerte setzen SPD-Politiker auf ein Comeback des früheren Parteivorsitzenden Franz Müntefering. Wenn der 68-Jährige sich wieder mehr in der Partei engagieren würde, könnte das zur Überwindung des Stimmungstiefs beitragen, sagten führende Vertreter der Bundestagsfraktion der Tageszeitung «B.Z.». Vor allem Vertreter der SPD-Rechten erklärten am Wochenende, der Ex-Chef müsse bald auf die große Bühne zurückkehren, um die Partei aus der Krise zu führen.

Müntefering war vor neun Monaten überraschend von seinen Ämtern als Vizekanzler und Bundesarbeitsminister der Großen Koalition zurückgetreten, um seine schwer krebskranke Frau Ankepetra in Bonn zu betreuen. Sie starb Ende Juli. Sein Abgeordnetenmandat hatte er aber nicht aufgegeben, auch hatte er sich immer wieder zu aktuellen politischen Themen geäußert. Erst am Donnerstag hatte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärt, Müntefering fehle der SPD.

Müntefering sei zunehmend unzufrieden mit der Entwicklung der SPD, berichtete die «Rheinische Post». Mit seiner Rückkehr verbinde sich in Teilen der Sozialdemokratie die Hoffnung auf ein stärkeres Eingreifen des 68-Jährigen bei der Bewältigung der derzeitigen Führungskrise der Partei. Ein Fraktionssprecher wollte am Wochenende zu dem Bericht keine Stellung nehmen. Müntefering selbst äußerte sich auch nicht zu den Spekulationen.

«Urgestein und Integrationsfigur»
Der SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend sagte der «B.Z. am Sonntag, er sei froh, dass Müntefering wieder nach Berlin komme. «Gerade in diesen für die SPD schwierigen Zeiten können wir einen erfahrenen Fahrensmann wie ihn bestens gebrauchen.» Der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises, Johannes Kahrs, sagte der Zeitung, Müntefering werde «als Urgestein von uns allen geschätzt, er hat viel mit der Seele der Partei zu tun». Zwischen Parteichef Kurt Beck, dem Fraktionsvorsitzenden Peter Struck und ihm werde sich etwas finden, das uns weiter bringt. «Er ist für die Partei eine Integrationsfigur und für viele Wähler einfach unverzichtbar.»

Der Innenausschussvorsitzender Sebastian Edathy sagte, Müntefering könne einen Beitrag dazu leisten, das Stimmungstief der SPD zu überwinden. Fraktionsvize Fritz Rudolf Körper bezeichnete Müntefering als wichtigen «Eckpfeiler für unsere inhaltliche politische Ausrichtung». Deshalb sei er froh, wenn Müntefering wieder an Deck komme und aktiv in die Politik eingreife.

«Nicht gegen andere in Position bringen«
Der SPD-Vorsitzende von Schleswig-Holstein, Ralf Stegner, warnte seine Partei davor, Müntefering für neue Spitzenposten ins Gespräch zu bringen. «Der Respekt vor Franz Münteferings Lebensleistung verbietet es, ihn aus taktischen Erwägungen gegen andere Mitglieder der Parteiführung in Position zu bringen», sagte Stegner der «Bild am Sonntag». «Wer Müntefering jetzt aus der dritten und vierten Reihe für neue Spitzenposten ins Gespräch bringt, schadet sowohl Müntefering als auch der SPD.» Auch Stegner meinte aber: «Es wäre zu begrüßen, wenn sich Franz Müntefering wieder stärker in der SPD engagieren würde.»

Der «Spiegel» meldete derweil, Müntefering sei als Chef der parteinahen Friedrich-Ebert-Stiftung im Gespräch. Vor allem SPD-Linke sähen ihn demnach gern auf diesem Posten, um so ein Comeback in der Parteiführung zu verhindern. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse werde ebenfalls als Kandidat genannt. Der bisherigen Vorsitzenden Anke Fuchs wird laut «Spiegel» vorgeworfen, die Stiftung mit zu wenig Schwung zu führen. (AP/dpa)