Neue Umfrage: 

netzeitung.deDeutsche nicht überzeugt vom Schulsystem

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Viele glauben, dass es keine Chancengleichheit an deutschen Schulen gibt (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Viele glauben, dass es keine Chancengleichheit an deutschen Schulen gibt
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Schlechte Noten für alle Kultusminister: Offensichtlich machen sie mit ihrer Schulpolitik etwas falsch, denn die Mehrheit der Bevölkerung glaubt, dass arme Schüler viel zu wenig gefördert werden.

Fast jeder Zweite hält das Schulsystem in Deutschland einer Umfrage zufolge für ungerecht. Die Mehrheit fordere faire Chancen für alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft, heißt es in einer am Montag in Gütersloh vorgestellten Emnid-Umfrage. Auch Unesco-Sonderbotschafterin Ute-Henriette Ohoven mahnte eine bessere Bildung für Kinder aus sozial schwachen Familien an.

In Deutschland würden immer mehr Jugendliche von der Bildung abgekoppelt, sagte die Vertreterin der UN-Bildungsorganisation zum Internationalen Tag der Jugend an diesem Dienstag. Ganze Schichten der Gesellschaft bekämen nicht die Bildung, die sie benötigten.

Bei der Emnid-Umfrage sprachen sich drei Viertel der Interviewten für einen Ausbau der Ganztagsschule aus. Rund 90 Prozent plädierten für eine stärkere individuelle Förderung von Kindern aus sozial schwachen Verhältnissen. Für die Studie wurden im Auftrag der Bertelsmann Stiftung rund 1500 Personen über 14 Jahren befragt.

Mehrheit will Offenheit und Toleranz
62 Prozent befürworteten danach eine stärkere individuelle Förderung von Kindern aus Migrantenfamilien. Zwei Drittel der Bevölkerung, also 66 Prozent, erklärten sich auch selbst bereit, Kindern mit ausländischer Herkunft bei der Integration zu helfen, etwa durch Unterstützung bei den Hausaufgaben. Ein Großteil der Befragten, nämlich 76 Prozent, strebt eine Erziehung zu mehr Offenheit und Toleranz.

Als ungerecht wurde das Bildungssystem von 45 Prozent aller Befragten und von 48 Prozent der Eltern bewertet. Rund 60 Prozent der Eltern sind der Auffassung, ein längeres gemeinsames Lernen der Kinder werde zu mehr Bildungsgerechtigkeit führen. Die jetzige Aufteilung nach der vierten Klasse befürworteten weniger als ein Drittel.

Die Sonderbotschafterin der Unesco appellierte an alle gesellschaftlichen Kräfte, sich für Bildung einzusetzen. «Ein Land, das nicht allen jungen Menschen eine Bildung zukommen lässt, verspielt seine Zukunftschancen», sagte sie. Viele Kinder erhielten Erziehung heute nicht mehr von Eltern und Lehrern, sondern von Fernsehsendungen und gewaltverherrlichenden Computerspielen, beklagte sie.

Ohoven sammelt seit 1992 als Sonderbotschafterin Spenden für das Unesco-Programm «Bildung für Kinder in Not». Die Stiftung unterstützt weltweit Projekte, die die Zukunftschancen von Kindern verbessern sollen. Ein Großteil der Gelder fließt in Hilfsprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländer, mittlerweile werden aber auch Projekte in Deutschland unterstützt. (epd)