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Bayern-Wahlkampf: 

Beckstein-Herausforderer Maget: «Einiges von Obama gelernt»

09. Aug 2008 16:29, ergänzt 26. Sep 2008 15:28
Franz Maget
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Audio, Video, ein Blog, Nachrichtenfeeds – Bayerns SPD rüstet sich medial für die Wahlkampfschlacht. Geschickt verknüpft Spitzenkandidat Maget seinen Alltag mit den politischen Botschaften seiner Partei. Und er bittet in US-Manier sogar im Internet um Spenden. Von Tilman Steffen

Auf seiner Webseite lässt er es menscheln, was das Zeug hält. Fast unmerklich zieht Franz Maget die Besucher in die politische Sphäre hinein. Von seiner persönlichen Geschichte leitet er nach knapp zwei Handvoll Klicks zu seinen Hauptzielen als SPD-Spitzenkandidat über: Bildungsgerechtigkeit, angemessen bezahlte Arbeit, Gleichberechtigung, Kampf gegen Kinderarmut, erfolgreiches Wirtschaften.



Auch die Reiseberichte verknüpft Maget geschickt mit seiner Botschaft. Am Montag stand er im Rinderstall von Willi Siglreitmeier in Übersee im Berchtesgadener Land. Gemeinsam mit 29 Kollegen klagte der Milchbauer dem Spitzenkandidaten sein Leid über die knappen Erträge, von denen sie ihre Investitionen nicht mehr bezahlen könnten. «Hier muss die Politik ihre Verantwortung den Menschen gegenüber wahrnehmen und handeln», folgert Maget im Wahlkampf-Weblog>>>. Als er seine frühere Grundschule besucht, verspricht er den Lehrern kleinere Schulklassen und individuelle Förderung der Schüler. Sein Blog schreibe er selbst, betont Maget im Netzeitungs-Interview>>>. «Wegen der vielen Termine bin ich leider mitunter tagelang im Verzug.»

Magets Wahlkampfbus
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Rund 60 Einsätze hat er noch vor sich in den 50 Tagen bis zur Wahlentscheidung. Vor ihm liegt das TV-Duell am 18. September mit Ministerpräsident Günther Beckstein, den Maget aus dem Amt jagen will. Am Samstag ermuntert er die Wahlkämpfer am Straßenstand in Kitzingen. Zuvor schaut er bei der Kräutergärtnerei Will vorbei. Wo immer es geht, sorgt sein Stab für eine mediengerechte Kulisse und Presseaufmerksamkeit. Am Nachmittag geht es nach Würzburg, erst zum Infostand am Boulevard, dann zum Ringparkfest. Lang kann er nicht bleiben, beim Weinfest in Frickehausen warten weitere Parteifreunde. Zum Glück hat dann der Sonntag nur einen Termin.

Die «News»-Sektion ist die Mündung von Magets Wahlkampfartillerie. Hier starten Attacken auf den Gegner. «Hochmut» unterstellt er Beckstein, sieht die «CSU im Sinkflug» – die übliche Schlacht.

Den Film, «den wir für die Landtagswahl gedreht haben», möchte Franz Maget den Besuchern seiner Webseite ganz besonders «an Herz legen». Ottfried Fischer warnt hier in Kabarettistenmanier vor dem «prinzipientreuen» SPD-Spitzenmann, Münchens Bürgermeister empfiehlt ihn zur Wahl, auch unter den Wiesnwirten hat Magets Stab einen filmtauglichen SPD-Anhänger ausfindig gemacht. Ausführlich wirbt der als Hoffnungsträger der Bundes-SPD gehandelte Parteivize Frank-Walter Steinmeier für Maget. Parteichef Kurt Beck ist dagegen nur kurz zu sehen. «Kurt Beck kommt ja auch vor, zumindest im Bild», erklärt Maget. Steinmeier sei ihm wichtiger gewesen, weil er das wichtige Europa-Thema verkörpern sollte.

Bei der Wahl seiner Helfer vor Ort achtete die SPD daraufhin auf strenge Symmetrie: Dreimal noch tritt Beck, dreimal Steinmeier in Bayern auf. Doch Beck darf nur einmal auf die große Bühne – in Altötting. Die beiden anderen Termine sind ein Biergartenbesuch und eine Radtour.

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Wer will, kann sich die einstündige Rede anhören, die Maget in Weiden auf dem SPD-Landesparteitag im Juni hielt. Für ihn war sie eine Rückkehr in die eigene Geschichte: Vor mehr als 40 Jahren hatte sein eigentlich unpolitischer Vater den 13-jährigen Franz zu einer Rede Willy Brandts mitgenommen – in dieselbe Halle, in der Maget zum Parteitag sprach. Der Junge war fortan von der Politik ergriffen, vier Jahre später trat Maget in die Partei ein.

Magets Blog oder die Wahlkampf-Nachrichten kann, wer will, sogar als RSS-Feed abonnieren. «Das Web ist wichtiger denn je», sagt Maget. «Es war eine richtige Entscheidung, das Internet in unsere Wahlkampagne so stark einzubeziehen.» Ab sofort will Maget sogar Spenden übers Web eintreiben>>>. Das hat er von dem demokratischen US-Präsidentschaftsanwärter Barack Obama gelernt, den Maget sehr genau beobachtet und der kürzlich in Berlin eine Wahlkampfrede hielt. «Obama hat uns vor allem eines gezeigt: Eine charismatische Führungsfigur ist immer hilfreich, wenn man Wahlen gewinnen will.» Das sind Maßstäbe, die Magert auch an sich selbst ansetzen muss.

Auch die CSU hat multimedial hochgerüstet: Bei «Eine Woche mit Günther Beckstein» lässt der Amtsinhaber ein blank poliertes Bild seiner Arbeitstage präsentieren. Die mit starken Videobildern illustrierte Wahlkampf-Hymne lässt sich auch als Text oder in Noten abrufen und ist bei Youtube veröffentlicht. Ansonsten setzen die Machtinhaber auf viel Text. Ministerpräsident Günther Beckstein lässt Beweggründe und Ziele für seinen erneuten Antritt erläutern und bescheinigt Bayern eine «absolute Spitzenstellung». Informationen zum Wahlprocedere und Terminpläne ergänzen die Schau.

Gelegentlich schaue er auch auf den Seiten der Konkurrenz vorbei, sagt Maget. «Im Vergleich muss sich die bayerische SPD keinesfalls verstecken.» Was seiner Webpräsenz derzeit fehlt, sind Bildergalerien, wie sie die CSU von den Wahlkampfterminen Becksteins veröffentlicht.

 
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