Beckstein im Wahlkampf: 

netzeitung.de«Stoiber hatte mehr Pfeffer»

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Was ist im Becksteins Glas, Bier oder Salbeitee? (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Was ist im Becksteins Glas, Bier oder Salbeitee?
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Auf dem Bus steht «Beckstein an Bord» und damit tingelt Bayerns Ministerpräsident fleißig durchs Land, von einem Bierzelt ins nächste. Doch nur ganz selten springt der Funke über.

Rund 30 Grad im Schatten sind es, doch das stört den CSU-Spitzenkandidaten nicht. Günther Beckstein, an diesem Tag tief in der bayerischen Provinz unterwegs auf Wahlkampf-Tour, hetzt von Termin zu Termin, von Firmenbesichtigung zu Ehrenamts-Empfang, vom Sommerfest in Hohenthann zur Wahlkampfkundgebung in Dingolfing.

Dort tritt er - erstmals im Wahlkampf - gemeinsam mit CSU-Chef Erwin Huber auf. Er liebe solche Tage, mit vielen Terminen und Stress, sagt der 64-Jährige irgendwann zwischendurch. «Wenn ich mir vorstelle, ich müsste jetzt an einem See liegen, das würde mich verrückt machen.»

Der Ministerpräsident weiß, dass er und die CSU insgesamt sich vor der Landtagswahl am 28. September mächtig ins Zeug legen müssen, mehr als bei allen Wahlen in den vergangenen Jahren. Denn erstmals seit langem müssen die erfolgsverwöhnten Christsozialen wieder um ihre absolute Mehrheit im Landtag bangen.

Bald ein Jahr nach ihrer Inthronisierung als Nachfolger des gestürzten Edmund Stoiber müssen Beckstein und Huber nun beweisen, dass die Partei auch unter ihrer Führung die jahrzehntelange CSU-Vormachtstellung im Freistaat verteidigen kann.

Angst vor dem Verlust der absoluten Mehrheit
In Umfragen lag die CSU - nach dem 60,7-Prozent-Rekordergebnis 2003 - zuletzt nur bei 48 bis 50 Prozent. Und sollten, was laut Umfragen durchaus möglich ist, neben SPD und Grünen auch FDP, Freie Wähler und Linke ins Parlament einziehen, wäre die absolute Mehrheit im Landtag wohl weg - was für die CSU einer Katastrophe gleich käme.

Beckstein und Huber touren deshalb in diesem Sommer fast rastlos durch ganz Bayern. Zwischen 20.000 und 30.000 Kilometer werden es am Ende sein, die Beckstein per Wahlkampfbus insgesamt zurückgelegt haben wird. «Beckstein an Bord», prangt an der Heckscheibe.

Am Ende dieses langen Tages steigt Beckstein auf die Bühne des Festzeltes in der 1300-Seelen-Gemeinde Taufkirchen, das aber - anders als früher zu Stoibers Zeiten zumeist - nur gut zur Hälfte gefüllt ist. Eine gute Stunde redet Beckstein dort, ohne Jackett, dafür den Bierkrug in Reichweite. Er werde von früh bis nachts dafür arbeiten, dass Bayern seinen Vorsprung vor anderen Ländern ausbaue, verspricht er.

«Ich will ja Botschaften rüberbringen»
Er wirbt für «seine CSU», auch wenn die nicht immer alles richtig gemacht habe. Und er warnt eindringlich vor einer Koalitionsregierung und einem damit angeblich verbundenen Bedeutungsverlust Bayerns im Bund. Bildung, Arbeit, Soziales - das sind seine zentralen Themen.

Der Funke im Festzelt will aber nicht so richtig überspringen - so wie bei allen Auftritten an diesem Tag. Beckstein wird zwar überall freundlich, aber eben nicht begeistert empfangen. «Zu brav», «zu blass» - so lauten Kommentare von Zuhörern. «Stoiber hatte mehr Pfeffer», sagt einer. Ganz überzeugt sei er von Beckstein noch nicht, sagt ein anderer. Er werde die CSU aber «aus lauter Tradition» dennoch wählen.

Becksteins Plus sind dagegen die Geduld und die Offenheit, mit der er auf Menschen zugeht. Da sei er anders als Stoiber, lobt eine Frau, er sei «ein sympathischer Mann». Tatsächlich stellt sich Beckstein geduldig einer Milchbäuerin, die ihm ihr Leid klagt. Oder diskutiert mit einer Landwirtin lange über deren Probleme mit der Schweinemast.

Aber auch im Zelt sorgt Beckstein am Ende doch noch für Stimmung. Dann, wenn er - ganz der Ex-Innenminister - sich klar für die Ausweisung krimineller Ausländer ausspricht. Oder wenn er sich genüsslich auf SPD und Linke einschießt. «Frau Ypsilanti müsste eigentlich Frau Tricksilanti heißen, weil sie die Leute verarscht und betrügt», schimpft er über den Links-Kurs der hessischen SPD-Chefin.

«Ich tauge nicht dazu, immer nur die großen Sprüche zu machen», räumt Beckstein - es ist inzwischen kurz vor Mitternacht - auf der Heimfahrt im Bus selbstkritisch ein. «Ich will ja Botschaften rüberbringen.» Doch nun warten auf ihn erstmal eine Kanne Salbeitee («für die Stimmbänder») - und einige wenige Stunden Schlaf. (Christoph Trost, dpa)