Beckstein im Wahlkampf:
«Stoiber hatte mehr Pfeffer»
08.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der Ministerpräsident weiß, dass er und die CSU insgesamt sich vor der Landtagswahl am 28. September mächtig ins Zeug legen müssen, mehr als bei allen Wahlen in den vergangenen Jahren. Denn erstmals seit langem müssen die erfolgsverwöhnten Christsozialen wieder um ihre absolute Mehrheit im Landtag bangen.
Bald ein Jahr nach ihrer Inthronisierung als Nachfolger des gestürzten Edmund Stoiber müssen Beckstein und Huber nun beweisen, dass die Partei auch unter ihrer Führung die jahrzehntelange CSU-Vormachtstellung im Freistaat verteidigen kann.
Beckstein und Huber touren deshalb in diesem Sommer fast rastlos durch ganz Bayern. Zwischen 20.000 und 30.000 Kilometer werden es am Ende sein, die Beckstein per Wahlkampfbus insgesamt zurückgelegt haben wird. «Beckstein an Bord», prangt an der Heckscheibe.
Am Ende dieses langen Tages steigt Beckstein auf die Bühne des Festzeltes in der 1300-Seelen-Gemeinde Taufkirchen, das aber - anders als früher zu Stoibers Zeiten zumeist - nur gut zur Hälfte gefüllt ist. Eine gute Stunde redet Beckstein dort, ohne Jackett, dafür den Bierkrug in Reichweite. Er werde von früh bis nachts dafür arbeiten, dass Bayern seinen Vorsprung vor anderen Ländern ausbaue, verspricht er.
Der Funke im Festzelt will aber nicht so richtig überspringen - so wie bei allen Auftritten an diesem Tag. Beckstein wird zwar überall freundlich, aber eben nicht begeistert empfangen. «Zu brav», «zu blass» - so lauten Kommentare von Zuhörern. «Stoiber hatte mehr Pfeffer», sagt einer. Ganz überzeugt sei er von Beckstein noch nicht, sagt ein anderer. Er werde die CSU aber «aus lauter Tradition» dennoch wählen.
Becksteins Plus sind dagegen die Geduld und die Offenheit, mit der er auf Menschen zugeht. Da sei er anders als Stoiber, lobt eine Frau, er sei «ein sympathischer Mann». Tatsächlich stellt sich Beckstein geduldig einer Milchbäuerin, die ihm ihr Leid klagt. Oder diskutiert mit einer Landwirtin lange über deren Probleme mit der Schweinemast.
Aber auch im Zelt sorgt Beckstein am Ende doch noch für Stimmung. Dann, wenn er - ganz der Ex-Innenminister - sich klar für die Ausweisung krimineller Ausländer ausspricht. Oder wenn er sich genüsslich auf SPD und Linke einschießt. «Frau Ypsilanti müsste eigentlich Frau Tricksilanti heißen, weil sie die Leute verarscht und betrügt», schimpft er über den Links-Kurs der hessischen SPD-Chefin.
«Ich tauge nicht dazu, immer nur die großen Sprüche zu machen», räumt Beckstein - es ist inzwischen kurz vor Mitternacht - auf der Heimfahrt im Bus selbstkritisch ein. «Ich will ja Botschaften rüberbringen.» Doch nun warten auf ihn erstmal eine Kanne Salbeitee («für die Stimmbänder») - und einige wenige Stunden Schlaf. (Christoph Trost, dpa)

