Verbot oder nicht: Liberale vom Überraschungsei überrascht07. Aug 2008 14:48  |  Halten Kinderschützer für nicht ungefährlich: Das Überraschungsei
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Selbst Erwachsene machen einander das kultige Kleinod zum Geschenk. Kommt es in die Hände von kleinen Kindern, sollten aber die Eltern dabei sein. Politikern des Bundestages reicht das jedoch nicht aus.
Mancher Liberale war an diesem Morgen wieder mal vom Schlag gerührt. Den Begriff «Verbot» in der Zeitung in direktem Zusammenhang mit «FDP» zu lesen, treibt den Verfechtern von Freiheit und Selbstbestimmung den Puls hoch. Dass es zudem noch um das «Überraschungsei» ging, machte die Sache noch schlimmer. Die rot-weiße Institution im Süßwarenregal anzutasten, hieße, sich gleich mit mehreren Generationen von Bundesbürgern anzulegen. Und: Gelb wie der Plastik-Dotter im Inneren des Schoko-Eis ist schließlich die Farbe der FDP.
Den Anlass schufen die Kinderkommission des Bundestages und eine FDP-Politikerin. Das Gremium kämpft den Kampf gegen zu schwere Schulranzen und für den Fahrradhelm. In den in einer Stellungnahme zu «Sicherheits- und Gesundheitsrisiken für Kinder im Alltag» aufgelisteten Forderungen taucht aber auch die Kombination von Lebensmitteln und Spielzeug auf. Das kennt man von Cornflakes-Packungen, wo zwischen den Maisflocken ein in Plastikfolie verschweißter Ritter oder ähnliches hervorzugrabbeln ist oder eben vom Überraschungsei, das damit auf die Rote Liste der gefährdeten Süßwaren gelangen könnte.
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Wie oft Kinder Plastikfiguren verschlucken, erfasst bisher keine Statistik. In einer Expertenanhörung der Kinderkommission wurde klar, dass allein 209.000 Kinderunfälle jährlich nur im häuslichen Bereich passieren. Bei 47 Prozent davon sind Kinder unter sechs Jahren die Opfer. Bei 40 Prozent der Unfälle sind Produkte wie Grillbeschleuniger, kleinteiliges Spielzeug oder Sicherheitsverschlüsse die Ursache. «Besonderes Gefahrenpotential birgt die Kombination aus Spielzeug, Haushaltsartikeln und Nahrungsmitteln, da Kindern dadurch die Unterscheidung zwischen essbaren und nichtessbaren Teilen erschwert wird», heißt es in der Auswertung.Jegliche Kombination aus Nahrungsmitteln und Spielzeug solle künftig unterbleiben, schlussfolgerte die Kinderkommission daraus, nicht ahnend, was das im Einzelnen bedeuten könne. «Die Welt» zitierte die FDP-Abgeordnete Mirijam Gruß, selbst Mitglied der Kinderkommission, dies umfasse dann eben auch Überraschungseier oder Cornflakes mit Spielzeug. «Kinder unterscheiden nicht zwischen Spielzeug und Nahrungsmitteln.» Die «Bild» gab Gruß mit der konkreten Einschätzung wieder: «Das würde auch das Verbot von Überraschungseiern betreffen, so traurig das ist.»
Liberalen, die diese Zeitungen lasen, brach der kalte Schweiß aus. Diese Botschaft, am Morgen verbreitet unter mindestens zwölf Millionen Lesern, könnte verheerenden Schaden anrichten. Denn Verbote, die Eigenverantwortung ersetzen, ist der FDP traditionell zuwider. Im Bundestag begann eine hektische Ursachenforschung, wie die abseits der Parteilinie liegende Meinung in die Zeitungen gelangen konnte.
Vorwärtsverteidigung Da hatte der Hersteller der Überraschungseier, der Süßwarenkonzern Ferrero, bereits empört auf den Vorstoß aus Berlin reagiert. Es gebe keinerlei Beweise dafür, dass von der Kombination von Spielzeug mit Lebensmitteln eine erhöhte Gefahr ausgeht, protestierte eine Firmensprecherin. Bei dem inkriminierten Produkt sei das Spielzeug – bekanntermaßen – durch eine Kapsel von der Schokolade getrennt. Ähnlich reagierte der Vizegeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie, Torben Erbrath.
In der FDP entschied man sich für die Vorwärtsverteidigung: Noch am Vormittag wies die FDP-Abgeordnete Gruß schriftlich darauf hin, dass sie, und damit die FDP, mitnichten ein Verbot von Überraschungseiern vertrete. «In der Stellungnahme der Kinderkommission des Deutschen Bundestages ist von einem Verbot ausdrücklich nicht die Rede.» Vielmehr gehe es um den Hinweis auf die mit Kleinspielzeugen verbundenen Gefahren – was jeder bestätigen wird, der das
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genau liest. Die Kommission verlangt in dem Dokument noch weitere Schutzmaßnahmen für Minderjährige. Demnach sollten Kinder und Jugendliche verpflichtet sein, Helme beim Fahrradfahren zu tragen. Zudem regten die Kinderschützer an, dass Schulranzen leichter werden sollen, indem die Verlage Lehrbücher als Taschenbücher und nicht Hardcover-Bücher herstellen.
Für das Web ediert von Tilman Steffen |