Uran im Trinkwasser: 

netzeitung.de«Das ist nicht in Ordnung, was Foodwatch macht»

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Über Grenzwerte für Uran im Wasser streiten die Experten (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Über Grenzwerte für Uran im Wasser streiten die Experten
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Die Verbraucherschützer werfen dem Gesundheitsministerium vor, seine Fürsorgepflicht verletzt zu haben. Dessen Sprecher wehrt sich. Und geht selbst in die Offensive.

Über die Uran-Belastung des Trinkwassers ist ein heftiger Streit zwischen Verbraucherschützern und dem Bundesgesundheitsministerium entbrannt. Die Organisation Foodwatch warf der Bundesregierung eine «schwerwiegende Verletzung der Fürsorgepflicht» vor. Die Behörden müssten eigentlich eingreifen, wenn der Uran-Wert zehn Mikrogramm überschreite, sagte Geschäftsführer Thilo Bode am Dienstag dem Nachrichtensender N24.

Das Ministerium wies den Vorwurf zurück: «Wir haben keinen Fehler gemacht. Die Umsetzung der Trinkwasserverordnung ist Sache der Kommunen», sagte Sprecher Klaus Vater der Netzeitung. «Ich finde das nicht in Ordnung, was Thilo Bode da macht.» Man habe unabhängig von dessen Angriffen begonnen zu prüfen, ob ein bundesweit einheitlicher Uran-Grenzwert von zehn Mikrogramm pro Liter eingeführt werden solle. Bereits 2004 habe es beim Bundesgesundheitsministerium Hinweise darauf gegeben, dass die teils erhöhten Werte die Nieren schädigen könnten.

Experten des Umweltbundesamtes warnten Verbraucher vor Panik. Laut Foodwatch ist das Leitungswasser in manchen Regionen Deutschlands stark mit Uran belastet: In 150 von 8000 Proben habe der Anteil des giftigen Schwermetalls über dem Leitwert des Umweltbundesamtes von zehn Mikrogramm gelegen. Der höchste erhobene Wert wurde laut Statistik mit 39,9 Mikrogramm Uran pro Liter Wasser vom Gesundheitsamt im unterfränkischen Landkreis Haßberge für den Ort Maroldsweisach gemessen.

Belastete Werke
Auch in einer Einzelversorgungsanlage in Lobenrot im Landkreis Esslingen bei Stuttgart sei die Belastung mit 33 Mikrogramm pro Liter besonders hoch gewesen. Auch das Wasserwerk Reimershagen im Landkreis Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) gehört laut Foodwatch mit gemessenen 30,08 Mikrogramm in diese Kategorie. Die Organisation hat die Daten nach eigenen Angaben von den zuständigen Landesministerien angefordert, allein Hessen habe keine Informationen zur Verfügung gestellt.

«Uran im Trinkwasser hat toxische Wirkung. Das schädigt die Nieren», sagte Foodwatch-Chef Bode. Nicht umsonst gebe es den Richtwert des Umweltbundesamtes von zehn Mikrogramm Uran pro Liter. Die Bundesregierung habe es versäumt dafür zu sorgen, dass dieser Leitwert nicht überschritten werde. «Und das ist wirklich eine schwerwiegende Verletzung der Fürsorgepflicht des Staates», erklärte er.

Druck aus den Ländern
Druck auf das Bundesgesundheitsministerium kommt auch aus den Ländern. Die rheinland-pfälzische Verbraucherschutzministerin Margit Conrad (SPD) erklärte, ihr Land habe Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) bereits im März aufgefordert, einen einheitlichen Uran-Höchstwert festzusetzen. «Die Verbraucher müssen sich beim Kauf von Mineralwasser in Zukunft darauf verlassen können, dass die Produkte in den Regalen europaweit einen einheitlichen Grenzwert aufweisen», sagte sie.

Unterstützung erhielt sie von der Sozialministerin Sachsen-Anhalts, Gerlinde Kuppe (SPD), die in der «Mitteldeutschen Zeitung» (Mittwochausgabe) einen «harten Grenzwert» forderte. Sonst werde der Verbraucher verunsichert und die Unternehmen erlitten Imageverluste.

Der Trinkwassertoxikologe des Umweltbundesamtes, Hermann Dieter, sagte der AP, eine Uran-Belastung des Trinkwassers sei bis zu zehn Mikrogramm Uran pro Liter unbedenklich. «Doch wer sein Leben lang einer höheren Belastung ausgesetzt ist, muss statistisch ab dem 70. Lebensjahr mit einer leichten Nierenschädigung rechnen», sagt Dieter. «Zur Panik besteht aber überhaupt kein Anlass», erklärte er. (nz/AP)