Am Vorabend ereignete sich ein spektakulärer Vorfall. Bei einem Empfang im Landtag bespritzte der Grünen-Abgeordnete Frank Schwalba-Hoth einen US-General mit Blut - schließlich wurde überall in Deutschland erbittert gegen die Stationierung amerikanischer Mittelstreckenraketen demonstriert. Der Eklat bekräftigte Börner in seiner - mitunter markig formulierten - Ablehnung einer Zusammenarbeit mit den Grünen. Doch nach der Wahl musste Börner einen «für ihn sehr bitteren persönlichen Glaubwürdigkeitsverlust in Kauf nehmen», wie der Politikwissenschaftler Konrad Schacht im Rückblick schreibt. Denn im wieder auf vier Parteien angewachsenen Landtag brauchte die SPD die Stimmen der Grünen; ihr früherer Regierungspartner FDP stand nun an der Seite der Union. Langwierige Verhandlungen begannen. Im Juni schlossen SPD und Grüne eine Tolerierungsvereinbarung, verabschiedeten den Etat und wählten Börner zum Ministerpräsidenten.
Zwei Jahre später wurde daraus sogar eine feste Koalition, der spätere Außenminister Joschka Fischer wurde der erste grüne Minister der Bundesrepublik. Doch schon nach 15 Monaten zerbrach das Bündnis am Streit um die damaligen Hanauer Nuklearbetriebe. Am 17. Februar 1987 beschloss der Landtag abermals die Selbstauflösung. Die daraus folgende Neuwahl brachte erstmals eine CDU-geführte Landesregierung an die Macht. (Wolfgang Harms, dpa)