Nach dem Urteil aus Karlsruhe:
«Ab heute Raucherkneipe»
30.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der frühere Bundeskanzler sei insgesamt ein «sympathischer Zeitgenosse». Und es hört auf mit ganz grundsätzlichen volkswirtschaftlichen Erwägungen - die vielen Milliarden Steuereinnahmen, die den Staat stützen, und die vielen Arbeitsplätze. «An dem Produkt Zigarette hängen ja Millionen von Arbeitsplätzen, nicht nur in der Zigarettenindustrie, sondern auch in der Krankenhausindustrie», gibt Thomas zu bedenken. Die Ärzte, die Krankenschwestern - «wenn alle immer nur gesund leben würden, dann wären die alle arbeitslos».
Er persönlich glaubt allerdings, dass das Joggen auf der Straße gesundheitsschädlicher ist das Rauchen in der Kneipe. Und wenn wirklich ein Nichtraucher Bedenken habe, dann könne er ja wegbleiben. In den Kneipen seien die Raucher ganz eindeutig in der Mehrheit, weiß der Stammgast.
Letztlich ist es den beiden deshalb auch egal, ob der Berliner Senat als Reaktion auf das Karlsruher Urteil vielleicht ein komplettes Rauchverbot ohne alle Ausnahmen verhängt. Das sei so ähnlich wie die Prohibition in Amerika, sagt Gunnar: Wenn es verboten ist, reizt es nur umso mehr. Und Thomas fügt an: «Dann machen wir es illegal. Dann machen wir die Läden runter und feiern hier unsere Fete alleine.»
«Ich bin rundum zufrieden», betont die Wirtin. Das Schild «Raucherkneipe», das die Verfassungsrichter nun übergangsweise bis zu einer Gesetzesänderung angeordnet haben, hat sie schon vorbereitet. Sie müsse nur noch in Berlin anrufen, dann werde es an ihrer Kneipe aufgehängt. Dort sind am Tag ihres großen Triumphs mittags aber noch die Rollläden herunter gelassen.
Die Kneipe sei für die Mittagszeit gut gefüllt, sagt er. Acht Leute stehen am Tresen oder sitzen an den Tischen. Alle rauchen. «Das habe ich dem Urteil zu verdanken. Gestern saßen um die gleiche Zeit nur zwei Leute hier.»
Auch im «Kronprinzeneck» in der Elbstraße freut sich die Wirtin über das Gerichtsurteil: «Ich finde es super, dass das Verbot aufgehoben wurde. Ich hoffe, dass es jetzt so bleibt und in einem Jahr nicht wieder geändert wird.»
Gast Hans-Jürgen Walter zündet sich eine neue Zigarette an und trinkt einen Schluck Apfelwein. Er ist heute seit längerem wieder Gast in der «Bernemer Marktstube» in der Mainkurstraße. «Früher war ich oft hier, doch seit dem Rauchverbot bin ich in Kneipen gegangen, wo ich rauchen konnte.» Wirtin Renate Stey bestätigt das: «Wir haben durch das Gesetz einige Gäste verloren.» (Verena Schmitt-Roschmann und Falk Sinß, AP)

