Schavan entscheidet: 

netzeitung.deMehr Geld für Atomforschung

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Eine strahlende Zukunft für die strahlende Forschung (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Eine strahlende Zukunft für die strahlende Forschung
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Einen «Kompetenzverlust» in der Nuklearwissenschaft befürchtet die Forschungsministerin, da fast alle Nachbarländer Atomkraftwerke bauen. Deshalb soll es mehr Fördermittel geben - mit Zustimmung der SPD.

Bundesforschungsministerin Annette Schavan will ungeachtet der Vereinbarungen über den Atomausstieg mehr Geld in die Kernforschung investieren. Die CDU-Vize kündigte in der «Berliner Zeitung» an, die Fördermittel in den nächsten beiden Jahren von derzeit zehn Millionen auf 14 Millionen Euro zu erhöhen.

Auch die Ausbildung junger Nuklearwissenschaftler solle verbessert werden. «Wir dürfen uns keinen Kompetenzverlust in der Kernforschung leisten, solange um uns herum überall neue Kernkraftwerke gebaut werden», sagte die Ministerin.

Schavan versicherte, alle Maßnahmen seien bereits vor zwei Jahren mit Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) abgestimmt, das Vorhaben sei «Konsens in der Bundesregierung». Es gehe um Forschungen zur Reaktorsicherheit, Strahlenschutz und Endlagerung. Schavan betonte, mit den Fördergeldern werde nicht an einer neuen Reaktorgeneration geforscht. Um bei der Erforschung der sogenannten vierten Generation mitwirken zu können, gebe es Initiativen mit den Ländern und verschiedenen Lehrstühlen.

Geld für Entsorgung
Das meiste Geld wird aus dem Forschungsetat des Bundes seit vielen Jahren aber für den Rückbau und die Entsorgung stillgelegter Forschungsreaktoren ausgegeben, unter anderem in Jülich und Karlsruhe. Derzeit sind dies 195 Millionen Euro. Hinzu kommen 45 Millionen Euro pro Jahr für die Endlagerung.

Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin sagte, all diese «verschwendeten Forschungsgelder» kämen zu den Summen hinzu, «mit denen die Steuerzahler über die letzten Jahrzehnte eine Risikotechnologie subventioniert haben, mit der sie sich selbst und ihre Kinder gefährden». Das Geld werde dringend bei der Erforschung erneuerbarer Energien benötigt.

Warnung von Atom-Wissenschaftlern
Eine Gruppe von Wissenschaftlern forderte derweil, die Kernforschung auszubauen. Die Sicherheitsforschung werde in Deutschland vorsätzlich eingeschränkt, kritisierten die in der Initiative Sicherheitswissenschaft vereinigten Forscher in einem Memorandum. Deutschland werde aus den internationalen Gremien zunehmend ausgeschlossen und damit auch vom Wissenschaftstransfer.

Man nehme Deutschland sicherheitswissenschaftlich auf dem Gebiet der Kernenergie nicht mehr ernst. Die Wirklichkeit sei, «dass sowohl die konventionellen wie auch die radiologischen Risiken für die Bevölkerung als Folge des Ausstieges für Deutschland größer sind und weiter steigen werden».

Die Große Koalition streitet angesichts steigender Energiepreise über die weitere Nutzung der Atomenergie. Während die Union die Laufzeiten der Atomkraftwerke verlängern will, hält die SPD am Atomausstieg fest. Erst am Dienstag hatte Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) seine Partei eindringlich davor gewarnt, sich auf eine Abkehr vom Atomausstieg einzulassen. «Kernenergie ist ein Auslaufmodell», schrieb er in einem Brief an seine Fraktion. Er verwies auf die Gefahren der Atomkraft und die ungelöste Endlagerung. Die längere Nutzung von Kernenergie führe außerdem nicht zu niedrigeren Strompreisen. (dpa/AP)