FDP kritisiert Lufthansa-Streik: 

netzeitung.deReisende in «Geiselhaft» der Gewerkschaft

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Brüderle stellt sich auf die Seite der Urlauber (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Brüderle stellt sich auf die Seite der Urlauber
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Die Meinungen vieler Politiker zu dem drohenden Streik bei der Lufthansa gleichen sich, sie fordern zugunsten der Urlauber ein baldiges Ende des Tarifkonflikts. Dabei nutzte aber die FDP einen schiefen Vergleich.

Aus der Politik häufen sich Mahnungen an Lufthansa und Gewerkschaft Verdi, ihren Tarifkonflikt rasch beizulegen. Die FDP sah gar das System der Tarifauseinandersetzungen infrage gestellt. «Ihr habt eine hohe Verantwortung. Die Tarifautonomie ist in einer Bewährungsprobe», sagte FDP-Fraktionsvize Rainer Brüderle der Zeitung.

Mit kräftigen Worten legte der Politiker nach: «Die vielen Familien mit ihren Kinder, die in ihren Jahresurlaub wollen, dürfen nicht in Geiselhaft genommen werden.» Geiselhaft - ein etwas schiefes Bild – gehr es doch um Urlauber, die im schlimmsten Fall zu Hause bleiben und nicht um Entführungen Deutscher wie zuletzt in der Türkei und in Somalia.

Die CDU schloss sich dem Mahnen an, allerdings mit gemäßigter Wortwahl. Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein (CSU) forderte beide Seiten auf, nicht zu überziehen - auch wenn «die Tarifautonomie ein hohes Gut» sei. «Gerade auch viele Arbeitnehmer und ihre Familien, die ihren wohlverdienten Urlaub bereits lange gebucht haben, wären die Leidtragenden», sagte Beckstein der «Welt am Sonntag».

Es leidet nicht der Streikgegner
Auch die Sozialdemokraten befürchten einen Streik zulasten der Reisenden. «Man muss akzeptieren, dass in einem Arbeitskampf gestreikt wird. Aber es ist natürlich ärgerlich, dass weniger der Streikgegner getroffen wird, sondern Unbeteiligte», sagte SPD-Wirtschaftsexperte Rainer Wend. Es werde zu Recht Diskussionen über den Streik geben, da «relativ wenige eine Infrastruktur lahmzulegen drohen».

Der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses, Klaus W. Lippold (CDU), verlangte ein schnelles Ende der Auseinandersetzung. «Jede Möglichkeit, diesen Streik zu vermeiden, muss genutzt werden, nicht nur um die Bürger sicher in den Urlaub gelangen zu lassen, sondern auch, um über ein klares Verhandlungsergebnis die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Luftfahrtindustrie nicht zu schädigen.»

Der Haushaltsexperte der Unions-Bundestagsfraktion, Steffen Kampeter (CDU), sagte der Zeitung: «Wenn die Streiklust zunimmt, wird die Arbeitslosigkeit auch wieder steigen.»

Drohung mit «marginalem Flugbetrieb»
Vor Beginn des Streiks von Kabinen- und Bodenpersonals bei der Lufthansa hatte Verdi der Fluggesellschaft mit Stillstand gedroht. «Lenkt die Lufthansa nicht ein, wird es spätestens in einer Woche nur noch marginalen Flugbetrieb geben», sagte Verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott der «Bild»-Zeitung vom Samstag.

Der unbefristete Arbeitskampf soll um 0.00 Uhr am Montag beginnen. Die genauen Auswirkungen auf den Flugverkehr gelten bisher als unklar. Ein Lufthansa-Sprecher hatte am Vortag gesagt, man gehe davon aus, dass nur ein Bruchteil der Belegschaft in Deutschland dem Streikaufruf folgen werde. Lufthansa bereitet sich seit mehreren Tagen auf weitere Streiks vor und will die Auswirkungen auf die Passagiere so gering wie möglich halten.

In dem Tarifkonflikt bei Verdi geht es um höhere Gehälter für die rund 50.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine. Die Gewerkschaft fordert 9,8 Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von einem Jahr. Lufthansa hatte zuletzt gestaffelt 6,7 Prozent mehr Geld bei 21 Monaten Laufzeit und eine Einmalzahlung geboten. (nz/dpa)