Obama in Berlin: Klassenausflug zu Obama24. Jul 2008 18:16  |  Touristen am Donnerstag vor dem Kanzleramt
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Eine Schulklasse aus Bayern hatte das große Los gezogen. Schon vor einem Jahr hatte sie sich zu einer Führung durch das Kanzleramt angemeldet. Nun stand sie unversehens dem Medien-Superstar des Tages gegenüber.
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«Wir haben Barack Obama gesehen!», riefen die Schüler stolz den Schaulustigen zu, die sich zwischen Kameras und Mikrofonen vor dem Zaun des Kanzleramtes drängten und Obama bestenfalls von ferne erspähten. Von ganz nahe bekamen sie den US-Präsidentschaftsbewerber zu Gesicht, der zu einem ersten Treffen mit Regierungschefin Angela Merkel ins Kanzleramt kam. «Es war super, wirklich ein Highlight!», freute sich die Elftklässlerin Michaela Schmid.
Ein Erlebnis war der Tag auch für Daniel Evers, zehneinhalb Jahre alt, aus Wuppertal. Ganz vorne an der Absperrung stand er mit seiner Kamera, als Obama nach dem Treffen in einem weißen Chevrolet davonfuhr und gut gelaunt durchs Fenster winkte. Daniel war mit seinem Vater, der gerade Urlaub hat, zu einer Kurzreise nach Berlin gekommen. «Wir hatten noch nichts geplant, dann haben wir von Obama gehört und sind spontan hergekommen.» Den ganzen Wirbel um den Kandidaten findet der Vater schon «ein bisschen verrückt». Trotzdem wollen die beiden natürlich am Abend zur Siegessäule, um die Rede zu hören.
Viele der Zuschauer vor dem Kanzleramt sind Touristen, die einmal einen Blick auf den Mann werfen wollen, auf den sich so viele Hoffnungen und Erwartungen richten. Dabei ist der 46-jährige Senator aus Illinois noch lange nicht Präsident der USA, noch nicht einmal offiziell der Kandidat der Demokratischen Partei. So staunt auch Imke Broers ein wenig über «die ganze Euphorie». Die Heilpädagogin aus Itzehoe in Schleswig-Holstein macht in Berlin Urlaub und hat wegen der Ankunft Obamas ihren Tagesplan geändert und ist zum Kanzleramt gekommen. Sie findet es gut, dass ein Farbiger die Vereinigten Staaten führen will. «Und er ist sehr menschlich, sympathisch eben. Er ist jung, hat eine freundliche Ausstrahlung und nicht diese leichte Arroganz, wie sie viele Politiker haben.» Doch sie ist auch etwas skeptisch: «Was er von seinen Vorstellungen später mal durchsetzen kann, wird sich zeigen.»
Der 18-jährige Vernon Thomas aus Omaha/Nebraska ist verwundert über die Unterstützung, die Obama in Deutschland erfährt. «Ich finde das erstaunlich; hier in Berlin sind mehr Leute, die ihn sehen wollen, als in meiner Heimatstadt», sagte Thomas, der Obama zu Hause zwei Mal hat reden hören. Jetzt besucht er Freunde in Deutschland und hat einen Abstecher nach Berlin gemacht, um Obama zu sehen. Dessen Auftritt hält er ganz klar für Wahlkampf, der zeigen solle, dass der Kandidat auch im Ausland gute Figur macht.
Sein Begleiter Tim Dobermann aus Lincoln/Nebraska besucht in Deutschland unter anderem seine Großeltern in der Nähe von Jena und kam auch Obamas wegen nach Berlin. Der 15-Jährige ist beeindruckt, wie viel Rückhalt Obama in Europa findet. Für die Europäer habe es die US-Regierung der vergangenen acht Jahre wohl nicht gebracht, meinte er. «Ein großer Teil der Welt hat keinen positiven Eindruck von der amerikanischen Regierung. Und jetzt finden sie es spannend, dass es diesen Kandidaten gibt, der Amerika verändern will und die Art, wie die Leute Amerika sehen.» (Susanne Ruhland, AP)
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