Obama in Berlin:
Im Schatten des Superstars
24. Jul 2008 19:13
 |  Obama und Merkel im Kanzleramt
| Foto: dpa |
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Kanzlerin Merkel achtet peinlich genau darauf, Obama wie jeden anderen ausländischen Wahlkämpfer zu behandeln. Doch ihre Berater glauben bereits, dass sich etwas tut in der US- Außenpolitik. Auch die Deutschen sind voller Hoffnung.
Text:
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Es gilt, ein paar Minuten bis zum offiziellen Händeschütteln zu überbrücken. Die Kanzlerin will Barack Obama den Ausblick aus ihrem Büro im siebten Stock des Kanzleramts erklären. Kurz tritt Angela Merkel mit dem US-Präsidentschaftsbewerber auf den Balkon - mit Blick auf den Reichstag und, ja auch, aufs Brandenburger Tor. An sich nichts besonderes. Doch an diesem Tag brandet plötzlich Beifall auf.
Unten vor dem Zaun des Kanzleramts haben sich schon sieben Stunden vor Obamas Rede an der Siegessäule Hunderte Schaulustige versammelt. Sie jubeln und rufen hoch. Ihnen ist egal, dass Obama vielleicht nur in Deutschland ist, um Punkte im heimischen Wahlkampf gut zu machen, wo er bislang als außenpolitisch unerfahren galt. Berlin scheint tatsächlich im Obama-Fieber. Der Kandidat aus Übersee und dann auch die Kanzlerin winken den Leuten zu.
Ansonsten achtet Merkel peinlich darauf, Obama an diesem Donnerstag wie jeden anderen ausländischen Wahlkämpfer zu behandeln. Genau hatte sie sich am Abend zuvor die Bilder vom Besuch des 46- jährigen demokratischen Senators in Israel angeschaut. Dort hatte sich Ministerpräsident Ehud Olmert mit Obama nur bei einem Bildtermin gezeigt - also ohne, dass die beiden Erklärungen abgaben.
Am Morgen - Obama war schon im Anflug auf Berlin - entschied die Kanzlerin, dass auch sie bei der allgemein üblichen Linie für den Empfang eines Wahlkämpfers durch einen Regierungschef bleiben wollte, auch wenn Obama demnächst der mächtigste Mann der Welt werden könnte. Ohnehin ist sie der Meinung, dass die Deutschen gegenüber den Amerikanern selbstbewusster auftreten sollte.
Etwas ändern
Obama kommt zwar etwas müde zu dem Termin zu Merkel. In Israel ist er um vier Uhr aufgestanden. Und doch finden die Kanzlerin und der Gast eine Gesprächsebene. Sie reden auf Englisch
eine Stunde miteinander
. Es geht quer durch alle Themen der Weltpolitik: Iran, Irak, Afghanistan, Naher Osten, die Zukunft der Nato, der Klimawandel. Ob die beiden gemeinsame Erkenntnisse gewonnen haben, wird im Anschluss nicht verkündet. Was sollte auch herauskommen bei einem ersten Gespräch.
Letztlich wirken die Leute im Kanzleramt nach dem Treffen ganz angetan. «Intelligent, präzise in der Darstellung, charismatisch», lauten anschließend die Beschreibungen für den schwarzen Senator. Merkels Berater glauben, dass sich tatsächlich etwas in der US- Außenpolitik ändern könnte - dass ein Mann an die Macht kommen könnte, der sich wirklich als Teamplayer in der Weltgemeinschaft versteht. Und nicht als einer, der die Vorgaben macht, nach der sich die anderen zu richten haben - auch wenn der George W. Bush der zweiten Amtsperiode immer auf engste Kontakte mit Merkel aus war.
Kein schlechtes Gefühl
Die Gemeinsamkeiten stellt später dann auch Außenminister Frank- Walter Steinmeier nach seinem Gespräch mit Obama heraus. Es gebe Übereinstimmungen in der außenpolitischen Sicht auf die Krisenherde der Welt. Der SPD-Vize hatte sich im Gegensatz zur Kanzlerin nach dem Kennenlern-Termin mit Obama selbst Rederecht eingeräumt.Ob der US-Kandidat nun am Brandenburger Tor sprechen soll oder nicht, hatte ja für Wirbel gesorgt. Merkel war dagegen, Steinmeier dafür. Nachdem sich die Tür hinter Obama und Merkel geschlossen hatte, erklärte dessen außenpolitische Beraterin Susan Rice, dass bei Obama jedenfalls keine Enttäuschungen entstanden seien. Offene Kritik war allerdings ohnehin nicht von seiner Seite zu erwarten. Auch beim Zusammentreffen mit Merkel wirkte Obama etwas angespannt, fast ein wenig schüchtern. Noch ist er nur Kandidat.
Insgesamt fuhr Merkel nach dem Gespräch also mit
keinem schlechten Gefühl in den Urlaub
. Ohnehin ist sie der Meinung, dass sich der Stil ändern könnte, wenn ein neuer Präsident ins Weiße Haus kommt. Die Probleme werden aber die alten bleiben. (Ulrich Scharlack, dpa)