23. Jul 2008 12:56
Abseits der großen Vorbereitungen auf der Obama-Fanmeile im Herzen Berlins ackern die Berliner Auslands-Demokraten für die Präsidentschaftswahl. Die
sprach mit deren Vorsitzenden Michael Steltzer über Obama, seine Wirkung und den Stress vor dem Ereignis.
Zwischen den Ständen fährt unter anderem Michael Steltzer hin und her, sorgt für Materialnachschub, hilft mit, gibt Auskünfte. Zwischen zwei Fernseh- und Hörfunkinterviews hat ihn auch die Netzeitung am Telefon erreicht. Netzeitung: Herr Steltzer, als sie erfuhren, dass Obama nach Berlin kommt, was hat das bei Ihnen ausgelöst?
Michael Steltzer: Es war eine Freude, und natürlich auch eine Ehre. Damit kam aber auch Verantwortung und eine Menge Arbeit auf uns zu. Viele Amerikaner sind jetzt für die Vorbereitungen eingespannt. Aber auch auf Obamas Crew ist das eine große Aufgabe. Normalerweise organisiert sein Team ja Veranstaltungen in den USA. Jetzt sind wir hier auf fremdem Boden. Netzeitung: Was erhoffen sich die Auslandsdemokraten von Obamas Besuch und wie bereiten sie sich darauf vor?
Steltzer: Wir werben auf den Straßen Berlins für die Veranstaltung. Auf der Veranstaltung selbst werden wir dann den Leuten anbieten, sich für die Wahl registrieren zu lassen. Deutsche Wahlberechtigte erhalten automatisch eine Wahlbenachrichtigung. Bei US-Wahlen ist das anders und insofern eine zusätzliche Hürde. Netzeitung: Welche Wirkung hat der Deutschland-Besuch Obamas auf das US-Publikum?
Steltzer: Es war sehr wichtig, für den Auftritt Obamas das Brandenburger Tor in den Vordergrund zu rücken. Es ist ein wichtiges Symbol für die Amerikaner, es ist für sie das Herz Deutschlands. John F. Kennedy durfte nicht hindurch, als Berlin besuchte. Die DDR-Führung hatte das Bauwerk mit Tüchern verhängt. Mit seinem Besuch setzt Obama also ein Vermächtnis fort. Sein Besuch ist aber auch ein Geschenk für die Stadt. Denn er spricht nur in Berlin öffentlich, nicht aber in Paris oder London.
Netzeitung: In Deutschland hat Obama ja sagenhafte Umfragewerte, was ihm für die Staaten jedoch wenig nützen dürfte. Er ist in Europa, um seine außenpolitische Kompetenz zu stärken. Ist das nicht eher ein Nachteil, dass er im Gegensatz zu seinem Konkurrenten McCain noch Lernender ist?
Steltzer: Dass er mit dem Besuch sein außenpolitisches Profil schärft, ist klar. Obama ist dabei, die Richtung der US-Außenpolitik zu ändern. Er will den Irak durch einen Truppenabzug Selbstbestimmung ermöglichen. Das vertritt er seit langem, insofern ist da Kontinuität vorhanden. Auch seine Treffen mit deutschen Politikern werden seine außenpolitische Kompetenz stärken. Netzeitung: Auf Barack Obamas Webseite sind im Bereich der Auslandsamerikaner nur die Gruppen in London oder Paris zu sehen. Hat man Berlin einfach vergessen?
Steltzer: Das ist sicher keine Absicht. Ich werde mir das mal anschauen.
Michael Steltzer (60) steht seit zwei Jahren der Gruppe der Auslandsdemokraten in Berlin vor. Wenn er nicht gerade den Auslandswahlkampf organisiert, betreibt er in Berlin einen Laden für Drachen und Jonglierartikel. Mit ihm sprach Tilman Steffen.