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Obama in Berlin: 

Wörter, die sich eingraben

23. Jul 2008 07:15
Selbstvertrauen und Charisma sind unverzichtbar für einen Wahlkämpfer
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Offen formuliert, niemanden ausgrenzend: Obamas Wahlkampfslogan «Yes, we can» funktioniert nach einem simplen Muster und hat viele berühmte Vorbilder. Doch das Kopieren erfolgreicher Slogans ist gefährlich. Mit Quiz

Hier gehts zum NZ-Obama-Quiz>>> «Yes, we can» - kaum ein Auftritt des demokratischen US-Präsidentschaftskandidaten Barack Obama kommt ohne diesen Wahlkampfslogan aus. Frei übersetzt bedeutet er so viel wie «Ja, wir können es schaffen». Und das Motto funktioniert nach Ansicht von Kommunikationsexperten bestens: Denn es ist offen formuliert, grenzt niemanden aus und stiftet Identifikation. «In den USA gibt es eine lange Tradition solcher Slogans», sagt der Heidelberger Historiker Manfred Berg. «Es geht darum, den politischen Zeitgeist und das politische Interesse der Mehrheit auf den Punkt zu bringen.»

Es gehe um austauschbare Botschaften und in Obamas Fall schwinge sicher auch die Botschaft mit: «Auch ein Afroamerikaner kann Präsident werden.» Eigentlich habe jeder erfolgreiche amerikanische Präsidentschaftskandidat einen Slogan gehabt, «der sich eingräbt», betont Berg. Er erinnert beispielsweise an Franklin D. Roosevelt, der als demokratischer Bewerber um das Präsidentenamt sein Reformprogramm mit der Bezeichnung «New Deal» öffentlichkeitswirksam umschrieb und damit 1932 die US-Wahlen für sich entschied. «Der New Deal wurde schließlich zur Signatur für eine ganze Epoche und hat die Politik in den USA bis Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre geprägt», sagt Berg, der die Curt-Engelhorn-Stiftungsprofessor für Amerikanische Geschichte an der Universität Heidelberg innehat.

Schon 1920 warb der Republikaner Warren G. Harding nach den Wirren des Ersten Weltkriegs für «A return to normalcy» (»Rückkehr zur Normalität») - und wurde 29. Präsident der USA. Allerdings belasteten viele Korruptionsskandale seine Regierungszeit. «New Frontier» (»neue Grenze») war schließlich das Motto von John F. Kennedy, als er 1960 Kandidat der Demokraten im Rennen um das Weiße Haus wurde. Wenige Monate später wurde er als Präsident vereidigt. «Dieser Slogan schloss einerseits an die Pioniervergangenheit der Amerikaner an. Damit war aber auch der Weltraum gemeint, der Wettlauf zum Mond», betont Berg. Ein solches Motto müsse zur Zeit passen, sagt auch Hans Mathias Kepplinger von der Universität Mainz.

Front bilden

«Die Anhänger sollen mobilisiert werden, ihnen soll eine Art Fahne präsentiert werden, um die sie sich scharen können. Es geht um Identitätsbildung», erklärt der Publizistikprofessor. Obama ist dies nach Ansicht Bergs mit seinem Motto bisher gelungen. Dies zeige sich beispielsweise daran, dass er bei den Vorwahlen vor allem junge Wähler habe ansprechen können. Außerdem wurde ein Wahlkampfvideo mit dem Titel «Yes, we can» des US-Rappers Will.I.Am zu einem echten Renner auf dem Musikportal Youtube. Zusammen mit Prominenten wie John Legend, Kate Walsh und Scarlett Johansson wirbt der Sänger der Black Eyed Peas für den Senator aus Illinois.

Erfolgversprechend sei auch, mit dem Slogan eine Front im Wahlkampf zu bilden, etwa mit dem Motto «Freiheit statt Sozialismus» der Unionsparteien in den 70er Jahren, findet Kepplinger. Eine solche Absicht habe Obama mit seinem «Yes, we can» aber sicher nicht im Sinn - ganz anders als etwa die Union in der frühen Phase der Bundesrepublik, als der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) von den Wahlplakaten ausrief: «Keine Experimente!»

Als Willy Brandt 1969 zum ersten sozialdemokratischen Regierungschef nach Kriegsende gewählt wurde, sagte er: «Wir wollen mehr Demokratie wagen» und begründete damit das prägende Motto der ersten sozialliberalen Regierungskoalition auf Bundesebene. Doch wehe, die Slogans werden abgekupfert: «Dann kann es schnell lächerlich werden», gibt Historiker Berg zu bedenken. «Solange Willy Brandt als Kennedy-Imitation aufgetreten ist, hatte er keinen Erfolg», sagt auch sein Kollege Kepplinger. Schließlich komme es darauf an, das Besondere herauszustellen und nicht einfach zu kopieren. Das würde dem Betroffenen auch schnell zum Vorwurf gemacht, prophezeit der Mainzer Wissenschaftler. Wie schnell so etwas nach hinten losgehen kann, musste SPD-Generalsekretär Hubertus Heil Ende Mai beim SPD-Zukunftskonvent in Nürnberg erfahren, als er die Delegierten aufforderte, «Yes, we can» zu skandieren und nur ein laues Echo erntete. (Daniel Rademacher, AP)

 
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