Innenminister stellt neues Modell vor:
Shoppen mit dem Scheckkarten-Ausweis
22. Jul 2008 16:01
 |  Fingerabdrücke sind beim neuen Ausweis freiwillig | Foto: dpa |
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Das Dokument wird künftig kleiner und kann mehr: beispielsweise den Besitzer bei Geschäften im Internet legitimieren. Ein biometrisches Bild in elektronischer Form gehört dann immer dazu. Das macht manchen Sorgen.
Ab November 2010 soll der neue elektronische Personalausweis im Scheckkartenformat kommen, den sich die Bürger erstmals mit wählbaren Zusatzfunktionen bestellen können. Dazu zählt eine neue Internet-Identifikation, die bald für Online-Geschäfte Standard werden könnte. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble lobte die Pläne, die das Kabinett am Mittwoch beschließen wollte.
Wie teuer die neue Identitätskarte wird, ist noch nicht klar. Der Ausweis ist weiter für alle Deutschen ab 16 Jahren Pflicht. Neu in der Grundausstattung ist ein elektronisch gespeichertes, biometrisches Bild. Auch das Format hat sich geändert. Die Karte ist nur noch etwa halb so groß wie das heutige graugrün laminierte Identitätspapier. Wer möchte, kann ohne Mehrkosten zwei weitere Zusatzfunktionen auf dem Chip in der Karte speichern lassen: die Daten für die Internet-Identifikation, die bald Passwörter und Tans bei Online-Geschäften überflüssig machen soll; sowie zwei Fingerabdrücke. Gegen höhere Gebühren kann auf der Karte auch eine «qualifizierte elektronische Signatur» vermerkt werden, die aber nur bei notariellen Verträgen nötig ist. Die SPD hatte gegen anfängliche Widerstände Schäubles durchgesetzt, dass die Speicherung der Fingerabdrücke – anders als beim Pass – nicht Pflicht wird. Schäuble versicherte, er sei damit zufrieden. Viele Menschen hätten nun einmal Angst vor einer angeblichen Datensammelwut des Staats. Freiwilligkeit könne vielleicht zu einer rationaleren Debatte führen, meinte der Innenminister. «Insofern hat mir der Gedanke ziemlich früh zugesagt.»
Sicherere Online-Geschäfte
Es sei den Bürgern aber dringend zu raten, sowohl die Fingerabdrücke als auch die Internet-Identifikation aktivieren zu lassen. «Jetzt müssen wir Überzeugungsarbeit leisten», sagte der CDU-Politiker. Die Fingerabdrücke würden es erlauben, sich schnell eindeutig zu identifizieren und den Ausweis als Passersatz zu verwenden, falls kein Visum nötig ist. Die neue allgemeinverbindliche Internet-Identifikation werde Online-Geschäfte sicherer und komfortabler machen. Für diese Funktion wird nach Angaben des Innenministeriums sowohl eine Pin als auch ein Zusatzlesegerät am heimischen Computer nötig sein. Dieses könne in die Tastatur oder in das Computergehäuse integriert werden. Beim Online-Banking oder bei Bestellungen über das Internet müsste der Nutzer seinen Personalausweis einlesen und die Daten über die Geheimnummer frei geben. Firmen, die das Verfahren nutzen wollen, müssen sich zertifizieren lassen. Damit hätten auch die Kunden Sicherheit, dass es sich um seriöse Anbieter handle, hieß es aus dem Innenministerium. Viele Unternehmen wie Versicherungen und Banken hätten bereits großes Interesse gezeigt.
Der Preis? «Wir werden uns bemühen, es zu drücken»
Noch gibt es aber etliche Unbekannte. So muss die Technik und die «Integration» der verschiedenen Funktionen noch getestet werden. Deshalb kommt der Ausweis auch nicht wie angedacht 2009, sondern erst Ende 2010. Auch der Preis stehe noch nicht fest, weil der Auftrag erst ausgeschrieben werden müsse, sagte Schäuble. Kabinettsbeschluss und Gesetzgebungsverfahren seien Voraussetzung. Derzeit kostet der Personalausweis acht Euro, der Reisepass 59 Euro. In anderen EU-Ländern kosten moderne elektronische Personalausweise nach Angaben des Ministeriums zehn bis 42 Euro. «Wir werden uns natürlich bemühen, es runter zu drücken», sagte Schäuble. (AP)