22. Jul 2008 11:57
Obama in Europa auf Wahlkampftour - da fahren deutsche Politiker mehrheitlich in den Urlaub. Immerhin die Sozialdemokraten sehen in der Berliner Rede des Präsidentschaftsanwärters ein Signal.
Die Union spielt die Bedeutung dagegen herunter. Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Eckhart von Klaeden, wertet den anstehenden Besuch des designierten demokratischen US-Präsidentschaftsbewerbers Barack Obama in erster Linie «eine Wahlkampfreise, keine Informationsreise». Es gehe um gute Bilder für den US-Wahlkampf, sagte von Klaeden der «Rheinischen Post». Er spreche vor den Deutschen, aber die Botschaft sei an die Amerikaner gerichtet. Selbst deutsche Außenpolitiker werden ihn nur über das Fernsehen erleben. Der für Außenpolitik zuständige Unions-Fraktionsvize Andreas Schockenhoff (CDU) und der Vorsitzende der deutsch-amerikanischen Parlamentariergruppe, Hans-Ulrich Klose (SPD), werden am Donnerstag nicht in Berlin sein. Damit entsteht eine eigentümliche Situation. Die Besucher der Veranstaltung sind Statisten einer Medienproduktion, sei werden Teil einer Kulisse, wie auch das Brandenburger Tor, in dessen Richtung Obama sprechen will.
Der designierte Kandidat sei aber in Berlin herzlich willkommen, und er selbst sei sehr gespannt, was der US-Demokrat zu sagen habe, betonte von Klaeden. Treffen wird Obama nach derzeitigen Stand nur zwei Spitzenpolitiker: Am späten Donnerstagvormittag wird er zu einem rund einstündigen Gespräch mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im Kanzleramt erwartet, wenige Stunden später ist ein Treffen mit Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) geplant.
Bei aller Euphorie in Deutschland warnen die Politikexperten davor, Obama zu überschätzen. «Es sind so wahnsinnig viele Erwartungen und Hoffnungen - die kann der Mann eigentlich nicht erfüllen», sagte Georg Schild, Experte für deutsch-amerikanische Beziehungen an der Universität Tübingen. Auch sein Berliner Kollege Andreas Etges vom John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien an der Freien Universität Berlin meint, dass an Obama Erwartungen wie an einen Messias gestellt würden. Dabei warten auf Obama, falls er gewählt wird, große Aufgaben: Die Streitkräfte sind im Irak und in Afghanistan gebunden, der Schuldenberg wächst, die Wirtschaft schwächelt.Auch der ehemalige Botschafter Wolfgang Ischinger warnte vor übertriebenen Hoffnungen. «Egal, wer die Wahl gewinnt, wir werden nicht plötzlich in ein transatlantisches Paradies eintreten.» Der Koordinator für die deutsch-amerikanischen Beziehungen, Karsten Voigt (SPD), sagte, die Rede Obamas könne Berlin wieder zum Symbol der deutsch-amerikanischen Beziehungen machen. (nz/dpa/AP)