Rechtsextremistische Gewalt:
13-Jährige im Jugendlager schwer verletzt
21. Jul 2008 21:21
 |  Rechtsextreme Gewalt: Erst dagegen demonstriert, dann zum Opfer geworden | Foto: dpa |
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Ein Rechtsextremer soll auf das Mädchen in einem Jugendcamp der Partei «Die Linke» mit einem Klappspaten und Bierflaschen eingeschlagen haben. Die Camp-Teilnehmer hatten zuvor gegen rechte Gewalt demonstriert.
Bei einem Überfall von Rechtsextremisten auf ein Jugendsommercamp der Linken in Nordhessen ist ein 13-jähriges Mädchen lebensgefährlich verletzt worden. Ihr 23-jähriger Bruder erlitt bei dem Angriff mehrerer schwarz gekleideter und maskierter Personen leichte Verletzungen.
Gegen einen 19 Jahre alten Rechtsextremisten wurde Haftbefehl wegen versuchten Totschlags erlassen, wie Oberstaatsanwalt Hans-Manfred Jung am Montag in Kassel mitteilte. Mit einem Klappspaten und Bierflaschen soll der Mann bei dem Überfall am Sonntagmorgen am Neuenhainer See bei Homberg (Efze) auf das Mädchen eingeschlagen haben, das sich mit dem Bruder ein Zelt teilte und dort schlief.
Der Tatverdächtige ein Anhänger der Ideen der rechten Szene
Die 13-Jährige befinde sich mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr, sagte Jung. Der mutmaßliche Täter habe angegeben, dass er zwar nicht in der lokalen rechtsextremistischen Szene organisiert sei, aber ihren Ideen anhänge. Von insgesamt sieben nach dem Überfall überprüften Personen wurden sechs wieder auf freien Fuß gesetzt. Den Ermittlungen zufolge hatten Mitglieder des Sommercamps der Jugendorganisation der Linken am Samstag in Schwalmstadt-Treysa gegen rechte Gewalt demonstriert. Dabei sollen Rechte provoziert haben, unter ihnen der 19-Jährige, wie Jung weiter mitteilte. Die Polizei nahm die Personalien der Störer auf. Am nächsten Morgen wurde dann das Camp angegriffen.
Kritik an Informationspolitik der Partei
Der Sprecher des hessischen Innenministeriums, Thorsten Neels, kritisierte den Landesverband der Linken für seine Informationspolitik. Man sei äußerst «äußerst irritiert» darüber, dass der Verband bereits vor der Staatsanwaltschaft über den Fall berichtet habe. Damit habe die Linke Informationen verbreitet, die das Ministerium nicht öffentlich an die Obleute der Landtagsfraktionen im Innenausschuss gegeben habe. Der Landesverband der Partei hatte auf seiner Internet-Präsenz den Überfall publik gemacht. Als Veröffentlichungszeit steht dort 12.40 Uhr.
Unwürdige Instrumentalisierung
Der Pressesprecher des Partei-Landesverbands Achim Kessler teilte dort auch mit, er sehe eine indirekte Mitverantwortung bei Politikern wie dem hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch. Er sprach von Politikern, die «mit demagogischen Argumenten aus dem Arsenal des Kalten Krieges» die Partei Die Linke angriffen, «um sich am rechten Rand der Gesellschaft zu profilieren». Die CDU-Fraktion im hessischen Landtag entgegnete, Versuche der Linkspartei, den Angriff auf die Jugendlichen «durch Attacken gegen den Ministerpräsidenten für platte und parteipolitische Zwecke zu instrumentalisieren», seien unwürdig und verwerflich. Es müsse das Anliegen aller demokratischen Parteien sein, gegen Extremismus gemeinsam vorzugehen. (AP)