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Umfrage in Germany: 

Deutsche stehen voll auf Obama

21. Jul 2008 16:16
Obama ist in Deutschland beliebt
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Würden die US-Präsidentschafts-kandidaten Obama und McCain in Deutschland zur Wahl stehen, wäre der Fall klar – der schwarze Demokrat würde das Rennen machen. Experten kennen den Grund für das deutsche Obama-Faible.

Die Bilder mit jubelnden Menschen dürften Barack Obama sicher sein: Wenn der Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten am Donnerstag Deutschland besucht, kann er auf große Sympathie in der deutschen Bevölkerung hoffen. Jugendliches Auftreten, Charisma, Hautfarbe, Parteizugehörigkeit – es sind mehrere Faktoren, die nach Ansicht von Politikexperten zur Popularität des 46-Jährigen in der Bundesrepublik beitragen.

76 Prozent der Deutschen halten Obama für den besseren Kandidaten, wie eine Umfrage für den «Spiegel» ergab. Sein Konkurrent John McCain kommt abgeschlagen auf zehn Prozent. In Frankreich, Australien oder Großbritannien stößt der Senator auf die gleiche Zustimmung. «Obama ist jung und telegen. Er strahlt die Vision von einem besseren Amerika aus», sagt Georg Schild, Experte für deutsch-amerikanische Beziehungen an der Universität Tübingen.

Experte: Obama beliebt wie Bill Clinton

Dazu kommt, dass Obama das Gegenteil des gegenwärtigen Präsidenten George W. Bush ist, in seiner Herkunft, seiner Partei und Politik. «Bush gelingt nichts und er kann nichts», sagt der Professor. Obama dagegen sei ähnlich beliebt wie Bill Clinton oder auch Michail Gorbatschow. «Die Deutschen scheinen die Visionäre zu lieben.»

Zudem sind demokratische US-Präsidentschaftsbewerber in Deutschland ohnehin beliebter als republikanische, wie Andreas Etges vom John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien an der Freien Universität Berlin betont. Für seine Popularität in Deutschland seien politische Inhalte zweitrangig.

Gefahr der Überschätzung

Bei aller Euphorie in Deutschland warnen die Politikexperten davor, Obama zu überschätzen. «Es sind so wahnsinnig viele Erwartungen und Hoffnungen – die kann der Mann eigentlich nicht erfüllen», sagt Schild. Auch sein Berliner Kollege Etges meint, dass an Obama Erwartungen wie an einen Messias gestellt würden.

Dabei warten auf Obama, falls er gewählt wird, große Aufgaben: Die Streitkräfte sind im Irak und in Afghanistan gebunden, der Schuldenberg wächst, die Wirtschaft schwächelt. Der Geschäftsführer des Deutsch-Amerikanischen Zentrums in Stuttgart, Ulrich Bachteler, warnt vor überzogenen Erwartungen. In seiner Einrichtung finden regelmäßig Veranstaltungen zum Thema USA statt. «Wir versuchen, dem Publikum klarzumachen, dass sich auch Obama Zwängen beugen muss», sagt Bachteler.

US-Ansehen steigt mit Obama-Sieg

Trotzdem wird wahrscheinlich das Ansehen der US-Politik in Deutschland schon mit einem Obama-Sieg steigen. Seit dem Irak-Krieg 2003 sind die Zustimmungswerte der Bundesbürger so schlecht wie in kaum einem anderen Land in Europa, auch wenn Amerikaner überwiegend positiv gesehen werden.

Dies könnte sich mit einem Präsidenten Obama ändern. «Es hängt sehr viel davon ab, wie der Präsident wahrgenommen wird. Sind sein Auftreten und seine Taten positiv, ist auch das Amerikabild positiv», sagt Etges. Die Wahl Obamas würde damit automatisch zu einem besseren Amerikabild in Deutschland führen.

McCain ist politisch «berechenbarer»

Das gilt für die Bevölkerung. Aus Sicht der deutschen Politik wäre McCain viel berechenbarer, wie Schild sagt. «Er ist Republikaner und steht damit für den Freihandel.» Bei Obama wisse man nicht, wofür er politisch stehe. Die Demokraten tendierten zu einer ideologischen Außenpolitik. «Die Republikaner mit ihrer Realpolitik sind letztlich günstiger aus Sicht der Bundesrepublik», sagt Schild.

Im anstehenden US-Wahlkampf wird die Außenpolitik aber wohl keine entscheidende Rolle spielen. Obama werde aber die Rede in der Hauptstadt halten, weil es ihm vor allem auf die Bilder ankomme, sagt der Berliner Professor Etges. «Jubelnde Menschen sind wichtiger als die Botschaft selbst.» (Thomas Seythal, AP)

 
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