Konvoi gegen Kosten:
Trucker verfahren teuren Sprit bei Diesel-Demo
19. Jul 2008 16:02
 |  Lasterfahrer fürchten um ihre Jobs | Foto: AP |
|
Der Verband der Transportunternehmer fordert Sofortmaßnahmen, um den Verlust von tausenden Arbeitsplätzen zu verhindern. In Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt tuckern Protest-Laster-Züge über die Autobahnen.
Rund 500 Lkw-Fahrer haben am Samstag mit sternförmigen, bis zu zehn Kilometer langen Autobahn-Konvois in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern gegen die hohen Diesel-Preise demonstriert. Die Trucker trafen mit etwa 300 Brummis am Vormittag auf dem Autohof Berg bei Hof in Oberfranken ein, wie Polizeisprecher Willi Wehner sagte. Nach einer Kundgebung, an der auch einige Landwirte teilnahmen, die mit Traktoren nach Berg gekommen waren, wurde die Veranstaltung am Nachmittag beendet.
Zu Störungen oder Behinderungen für den Autoverkehr kam es wegen der Aktion kaum, wie Wehner weiter sagte. Lediglich an der Landesgrenze zwischen Sachsen und Bayern kam es zu einem kurzzeitigen, drei Kilometer langen Rückstau. Die Lkw-Fahrer hielten sich nach seinen Angaben an die Auflagen, fuhren auf der rechten Fahrspur und mit ausreichendem Sicherheitsabstand und überholten nicht. Insgesamt vier Konvois wurden von jeweils einem Polizeiauto vorne und hinten sowie Motorrädern an der Seite eskortiert, wie Wehner weiter sagte.
«Erstes und ernstes Signal»
Die Trucker fuhren auf der A 72 aus Chemnitz im Osten, auf der A 93 von Weiden in der Oberpfalz im Südosten, auf der A 9 vom Autohof Himmelkron bei Bayreuth im Süden und auf der Bundesstraße 173 von Kronach im Westen nach Berg. Ursprünglich sollte auch ein Konvoi auf der A 9 aus Leipzig kommen. Warum das nicht der Fall war, konnte Wehner nicht sagen. Der Bundesverband der Transportunternehmen (BVT) bezeichnete die Aktionen als «erstes und ernstes Signal der Straße und des Straßengütertransports an die Politik». Die autonom organisierten Aktionen zeigten, «es brodelt im Gewerbe», erklärte der BVT. Mehr als 20.000 Arbeitsplatz könnten verloren und 4500 Unternehmen insolvent gehen. Angesichts dieser Situation werde die Kampagne «Alle brauchen Diesel» intensiviert.
«Gewerbediesel» gefordert
Die Proteste sind nach Einschätzung der BVT-Vorsitzenden Dagmar Wäscher sicher erst der Anfang. Dabei müsse darauf geachtet werden, die Verbraucher nicht übermäßig zu behelligen. Der BVT fordert als Sofortmaßnahme gegen den «Diesel-Preis-Wucher» einen Gewerbediesel oder eine einheitlich niedrige Dieselsteuer für alle im gewerblichen Transport tätigen Verkehrsträger. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben vor allem kleinere und mittlere Transportunternehmen. Am Montag hatten Lkw-Fahrer, Spediteure und Busunternehmen eine Bundesstraße in Brandenburg aus Protest gegen die hohen Sprit-Preise blockiert. Etwa 50 Lastwagen, Busse und Taxis versperrten für zwei Stunden ein Stück der B 189 bei Wittenberge gut 170 Kilometer nördlich von Berlin. Auf Transparenten forderten sie die Politik zum Gegensteuern auf und drohten längere Lkw-Blockaden an. (AP)