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CSU-Parteitag in Nürnberg: 

Beckstein für absolute Mehrheit plus Weltspitze

19. Jul 2008 15:32
Nr. 1 ist klar. Aber wieviel ist das im Herbst in Prozent?
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Der Minsterpräsident gibt sich absolutistisch: Beim Gedanken an eine Koalition da schüttle es einen anständigen Bayern doch. Stattdessen will er mit Partei und Freistaat ganz, ganz weit nach vorn.

Sechs Minuten lang jubeln die 1000 CSU-Delegierten ihrem Ministerpräsidenten und Spitzenkandidaten Günther Beckstein zu. Nach seiner 70-minütigen Wahlkampfrede auf dem CSU-Parteitag in Nürnberg ruft er seine Frau Marga und seinen Kompagnon, CSU-Chef Erwin Huber, auf die Bühne, gemeinsam recken sie siegessicher die Daumen in die Höhe – auch wenn den Becksteins derlei Gesten ganz offensichtlich nicht liegen. Eine Delegierte sagt über die Rede: «Der beste Beckstein, den es je gab.»

Große Nachrichten wurden auf dem zweitägigen Parteitag nicht erwartet – zwei Monate vor der bayerischen Landtagswahl, bei der die CSU erstmals seit langem wieder um den Erhalt der absoluten Mehrheit zittern muss. Und eigentlich passierte dann auch nichts weiter, außer dass die Delegierten offiziell Becksteins Wahlprogramm billigten. Lange klar war ja auch, dass beim Streit mit der CDU über die Pendlerpauschale alles beim Alten bleiben würde. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) also den Bayern in dieser Frage keinerlei Zugeständnisse machen und die CSU hartnäckig bei ihrer Forderung bleiben würde. Wobei manche CSU-ler sich fast schon froh über Merkels Veto zeigten, bleibt ihnen damit doch ein Thema zur Profilierung im Wahlkampf erhalten.

Beckstein ist die Anspannung anzumerken

Dennoch: Merkel hatte die Delegierten zum Auftakt des CSU- Parteitags am Freitag mit einer flammenden Rede, mit regelrechten Lobeshymnen auf Bayern und die CSU, auf ihre Seite gezogen – wobei sie den Streitpunkt Pendlerpauschale nur in einem Nebensatz erwähnte. Umso größer ist der Druck, der am Samstag auf Beckstein lastet. Wie würde er den Saal mitreißen, wie würde seine Rede – nach dem vielgelobten Merkel-Auftritt vom Vortag – bei den Delegierten ankommen? Das sind an diesem Tag die entscheidenden Fragen.

Beckstein ist die Anspannung anzumerken, als er am Morgen die Bühne in der Nürnberger Messehalle betritt. Doch je länger er redet, desto sicherer wirkt er. Er spricht dabei auch – im Gegensatz etwa zu seiner ersten Regierungserklärung im Landtag im vergangenen November – weitgehend frei. Beckstein kündigt an, Bayern bei Bildung und Technologie an die Spitze Europas und der Welt führen zu wollen. Der Freistaat solle in die Riege der fünf innovativsten Regionen aufsteigen. Den größten Applaus aber bekommt er, als er die «Sozis» angreift oder den Grünen «Multi-Kulti-Gewäsch» vorhält.

«Einen anständigen Bayern schüttelt's bei dem Gedanken an eine Koalition»

Vor allem aber warnt Beckstein – wie später auch Huber – vor einer rechnerisch denkbaren Mehrparteienkoalition gegen die CSU und schwört seine Partei auf die Verteidigung der absoluten Mehrheit ein. «Einen anständigen Bayern schüttelt's bei dem Gedanken an eine Koalition», sagt er. «So können wir unser schönes, gutes Bayern nicht verhunzen.» Kein Wort mehr davon, dass – wie er dies kürzlich sagte – bei weniger als 50 Prozent weder die Welt unterginge noch «Beckstein oder andere sterben» würden. Einen kräftigen Rüffel bekam er dafür von seinem Vorgänger Edmund Stoiber.

Huber, der an diesem Tag nicht die Hauptrolle einnimmt, erntet Lacher und Beifall vor allem für seine Aufzählung mit der SPD als «roter Garde», den Grünen als «Hofnarren» und den Freien Wählern «mit ihrem Funkenmariechen» – womit er die inzwischen zu der Wählergruppe übergewechselte CSU-Rebellin Gabriele Pauli meint. Geht man aber nach der Dauer des Applauses, bleibt Beckstein gegen Huber Sieger. Dieser Tag sollte ja auch vor allem dem Spitzenkandidaten gehören.

Richtige Tonlage getroffen

Hinterher ist die Erleichterung groß. Hubers und Becksteins erster gemeinsamer Großauftritt beim Aschermittwoch in Passau war ein Flop gewesen, doch beim Parteitag gebe es «nix herumzumäkeln», sagt CSU-Vize Horst Seehofer. «Wenn ich vergleiche, wie wir vom Aschermittwoch nach Hause geschlichen sind, kann ich nur sagen: Kopf hoch.»

Beckstein habe die richtige Tonlage getroffen, sagt nachher auch der niederbayerische CSU-Bezirksvorsitzende Manfred Weber. Und auch Ehefrau Marga Beckstein zeigt sich mit ihrem Mann zufrieden: «Sehr aufmunternd, sehr lebendig, sehr kraftvoll» und kämpferisch genug sei seine Parteitagsrede gewesen. Und was sollte er in einem Bierzelt möglicherweise anders machen? «Das muss er selber wissen.» (Christoph Trost und Carsten Hoefer, dpa)

 
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