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Hildegard Müller: 

Aus dem Machtzirkel in die Männerwelt

20. Jul 2008 15:51
Hildegard Müller
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Politik oder Lobby? Hildegard Müller hat die Qual der Wahl. Die CDU- Politikerin ist mit gerade einmal 41 Jahren schon Staatsministerin im Kanzleramt. Doch ob die Vertraute Merkels bleibt, weiß wohl noch nicht einmal sie selbst genau.

Ihr Posten entspricht in einem Ministerium dem Rang eines Parlamentarischen Staatssekretärs. Das beschreibt ihre Stellung in der Berliner Politik aber nur ungenügend. Wichtiger ist, dass Müller das oft falsch verwendete Prädikat tatsächlich zu recht trägt, eine Vertraute von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu sein. Im Gegensatz zu den anderen Staatsministern im Kanzleramt, dem Kulturmann Bernd Neumann und der Integrationsfrau Maria Böhmer, nimmt Müller an den wichtigen Morgenlagen, dem Küchenkabinett, teil - dem Ort, wo in Berlin die wichtigen Entscheidungen vorbereitet werden. Müller, die vielleicht nicht so öffentlichkeitswirksam wie Neumann oder Böhmer auftritt, ist damit Mitglied im engsten Machtzirkel der Kanzlerin.

Doch die resolute und dennoch umgängliche Hildegard Müller könnte bald diese Sitzungen an Merkels «Küchentisch» gegen eine Lobbyarbeit eintauschen. Der neue Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) hat bei ihr angefragt, ob sie sich einen Wechsel vorstellen könnte. Müller soll an die Spitze einer mehrköpfigen Hauptgeschäftsführung rücken, heißt es.

Eine endgültige Entscheidung soll noch nicht gefallen sein. Wie jeder, der sich beruflich verändern kann, wägt Müller dieser Tage die Vor- und Nachteile ab. Für einen Verbleib im Amt, wo sie für die wichtige Bund-Länder-Koordination und den Bürokratieabbau zuständig ist, spräche, dass sie noch längst nicht die Endstufe möglicher Verwendungen erreicht hat. Ein richtiger Ministerjob im Bund oder in einem Land - eigentlich ist das angesichts ihrer bisherigen Karriere nur eine Frage der Zeit.

Wohnsitz fällt weg

Doch Müller geht es wie vielen Frauen. Sie muss Familie und Beruf miteinander verbinden. Sie ist mit einem in Heidelberg lebenden Mann verheiratet. Beide haben eine Tochter, die aber mit der Mutter unter der Woche in Berlin lebt. Und zudem muss sich die Bankerin um ihren Wahlkreis in Düsseldorf kümmern. Das ergibt unter dem Strich drei Wohnsitze und wenig Zeit für Kind und Mann. Dass sie alles gut unter einen Hut bringen will, zeigt sich schon daran, dass sie sich im Oktober 2006 für ein gutes Jahr verabschiedete und in Elternzeit ging, obwohl dies für Positionen ihres Kalibers gar nicht vorgesehen ist.

Beim Wechsel in den Verband würde sie wohl ihren Politikerjob aufgeben. Der Wohnsitz Düsseldorf fiele weg. Noch dazu würde sie einen Verband führen, der sich mit einer Schlüsselfrage der Politik - der Energie - beschäftigt. Das lockt.

Müller ist nicht nur eine Vertraute, sie ist auch im wahrsten Sinne des Wortes eine Weggefährtin der Kanzlerin. Als Vorsitzende der Jungen Union stützte Müller in den Zeiten der Spendenkrise Bemühungen der damaligen CDU-Generalsekretärin Merkel für eine Selbstreinigung der Partei und die zwischenzeitliche Abkoppelung vom damaligen Ehrenvorsitzenden Helmut Kohl, als andere noch zögerten. Sie rückte schnell in das CDU-Präsidium auf, wo sie allerdings nach außen auch wegen der Stellung der Ministerpräsidenten keine dominierende Position innehatte. Es gibt in der CDU aber dennoch nicht viele Politiker ihres Alters, die mit Berechtigung das Etikett tragen, für höhere Ämter tauglich zu sein. (Ulrich Scharlack, dpa)

 
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