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Sparpakete für Einkommensschwache: 

Sozialverband schwimmt gegen den Strom

14. Jul 2008 12:30
Energiesparlampen sind Teil des Starterpaketes für Arme
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Politiker fordern günstigere Energietarife für Arme. Ein Pilotprojekt in Frankfurt versucht es zunächst mit einer anderen Lösung: Aufklärung. Arbeitslose werden zum Stromsparen erzogen.

Der Boiler in der Wohnung der älteren Dame läuft und läuft. Rund um die Uhr erhitzt er das Wasser. Reinhold Hufgard und sein Kollege vom Frankfurter Energiesparservice bemerken das beim Hausbesuch bei der Arbeitslosengeld-II-Empfängerin sofort. Sie wissen, was das heißt: Der Stromfresser verbraucht jährlich rund 2.000 Kilowattstunden. Das ist viel zu viel für die 347 Euro, die ein Arbeitsloser bezieht.

Um einkommensschwachen Menschen Tipps zu geben, wie sie Strom, Wasser und Heizkosten sparen können, gibt es in Frankfurt seit gut zwei Jahren den «Cariteam Energiesparservice». 18 Städte und Kommunen in Deutschland stehen laut Ulrich Schäferbarthold von der Caritas Frankfurt in den Startlöchern, in den nächsten Wochen ein ähnliches Projekt zu starten. Das Umweltbundesamt steuert dafür rund 150.000 Euro bei.

In dem Pilotprojekt von Caritasverband, Rhein-Main-Jobcenter und der Stadt Frankfurt am Main arbeiten zwölf Arbeitslose. Im Rahmen der Beschäftigungsmaßnahme suchen sie Arbeitslosengeld-II-Empfänger und andere Bedürftige in deren Wohnungen auf, erstellen vor Ort eine Liste der Elektrogeräte und deren Verbrauch und errechnen, welche die größten Stromfresser sind. Dann geben sie Ratschläge, wie die Bewohner durch cleveres Lüften, Heizen und Beleuchten Geld sparen können.

Sparpaket als Starthilfe

«Am Anfang sind wir vor eine Wand gelaufen», sagt Schäferbarthold im Rückblick auf den Beginn des Projekts. Die Berater seien bei den einkommensschwachen Menschen nicht willkommen gewesen. Sie wurden abgelehnt, weil viele bereits wussten, dass Energiesparlampen oder eine Spardusche mit Perlstrahlern für sie zu teuer sind. Seitdem bringen die Energieberater bei ihrem zweiten Besuch ein «Starterpaket» im Wert von 50 Euro mit und bauen Zeitschaltuhren, abschaltbare Steckdosenleisten und Energiesparlampen ein. Die rund 300 Haushalte müssen dafür nichts bezahlen, die «Starterpakete» werden ihnen geschenkt.

Die Umweltschutzorganisation BUND fordert, das Frankfurter Projekt auf bundesweit zwei Millionen Haushalte auszuweiten. Die Bundesregierung solle 150 Millionen Euro für «Starterpakete» bereitstellen. Das sei in Zeiten steigender Energiepreise sinnvoller, als sogenannte Sozialtarife für Strom- und Gaspreise einzuführen, wie es EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso kürzlich gefordert hatte. Bis zu einem bestimmten Energieverbrauch sollten nach seinem Vorschlag ärmere Haushalte niedrige Tarife bezahlen oder gar Gas und Strom kostenlos bekommen.

Bauingenieure, Schreiner und Programmiere für Energieeffizienz

Durch die «Starterpakete» spare ein Haushalt jedes Jahr rund 120 Euro, selbst wenn sich das Verhalten der Verbraucher nicht ändere, streicht Energieberater Hufgard heraus. Doch der 53-Jährige hofft auf mehr. Er hofft darauf, dass sich das Verbrauchsverhalten der Arbeitslosengeld-II-Empfänger ändert. Am Schluss seiner Besuche überreicht er eine Liste mit den Jahreskosten aller Geräte mit Hinweisen wie: «Der Deckenstrahler im Kinderzimmer kostet im Jahr 45 Euro, wenn er die Nacht durchbrennt, ein Nachtlämpchen mit LED-Leuchte dagegen nur 30 Cent.» Dieser Kostenvergleich soll sie dazu bewegen, aus eigenem Antrieb ein Energiespargerät zu kaufen.

Wie der ehemalige Einzelhandelskaufmann werben in Frankfurt arbeitslose Bauingenieure, Schreiner und Programmierer für Energieeffizienz. Das sei konkreter Umweltschutz, sagt Schäferbarthold: Dank des «Starterpakets» würden in jedem Haushalt rund 400 Kilogramm des Treibhausgases CO2 pro Jahr weniger produziert. (Johannes Bentrup, epd)


 
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