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Stromversorgung von morgen: 

Atomkraft ist eine Energiesparbremse

14. Jul 2008 11:54
Tanken zwingt zur Sparsamkeit
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Kann man mit Atomstrom eigentlich Auto fahren? Die hitzige Diskussion um die Energieversorgung und Benzinpreise lässt dies vermuten. Doch sie führt in eine Sackgasse, meint Tilman Steffen.

Kernkraft wird wieder wichtig - Ihre Gegner versuchen, ein Kippen des Atomausstiegs in Deutschland abzuwenden. So sendet die SPD Lockrufe an die Konservativen: Ein Verbot neuer Atomkraftwerke ins Grundgesetz schreiben, dafür einige Meiler länger als vereinbart Strom liefern lassen. Die Gegenseite wiederum hofft auf die Bundestagswahl: Befreit vom Schicksalspartner SPD könnten sie den mit der Industrie geschlossenen Atomkonsens kippen und sich energiepolitisch dem europäischen Mittel nähern.

Kernkraft, nein danke? Warum eigentlich? Die Gefahr eines Unfalls mit weit reichenden Folgen ist aus innenpolitischer Sicht jedenfalls kein Grund mehr, am Atomausstieg festzuhalten. Denn Deutschland ist von Kernspaltern umstellt. Leckt einer der Meiler zwischen Atlantik und Ural, macht das ausströmende radioaktive Unheil um Deutschland keinen Bogen: Atmosphäre oder Flüsse halten sich nicht ans deutsche Grundgesetz, sondern höchstens an die Regeln der Physik.

Das Wunder, das das ändert, ist nicht abzusehen. Wer hoffte, die Europäische Union könne die Haltung Deutschlands stärken und den Ausbau der Kernkraft verhindern, wurde enttäuscht. Denn auch in Brüssel ist klar, dass der vor Jahren zwischen einer SPD-geführten Bundesregierung und der deutschen Energie-Industrie geschlossene Ausstiegsvereinbarung nur ein wertarmes Stillhalteabkommen ist.

Umweltpolitisch betrachtet, spricht wenig für den Atomausstieg. Denn er löst bislang nur noch ein Problem: Ein Land ohne Kernkraft muss auch keinen Atommüll einlagern. Problemdepots wie Asse oder das Zwischenlager Gorleben bleiben zwar radioaktive und politische Altlasten – jedoch von begrenzter Halbwertszeit.

Doch das verbraucherpolitische Argument, mit Kernkraft lasse sich die Teuerung bei Energie wirkungsvoll ausgleichen, ist ebenso schwach. Denn die durch Finanzspekulation, aber auch durch schwindende Vorräte bewirkten Preisrekorde rühren in erster Linie von den fossilen Energieträgern her. Sicher ist der Elektrizitätsmarkt nicht vor solchen Tendenzen geschützt. Die Strompreise durch Kernkraft stabil zu halten, ist jedoch ein labiles Mittel im Kampf um Entlastung für die Verbraucher. Wer etwa als Pendler an der Tankstellentheke pro Woche 40 Euro mehr als vor einem Jahr hinterlässt, den kümmert der Strompreis herzlich wenig.

Eine Win-Win-Situation von allseitigem Nutzen lässt sich nicht durch das Erhöhen der Energiemenge erreichen. Richtig ist, ihre weltweite, exorbitante Verschwendung zu stoppen. Deutschland als Mit-Hauptverursacher des Klimawandels ist mit seiner Klimapolitik auf dem richtigen Weg, auch wenn sich über Details wie den schonenden Umgang der Bundesregierung mit der Autoindustrie durchaus streiten lässt. Wer das Klima schont, muss mittelfristig auch weniger für Energie bezahlen, weil er weniger verbraucht. Atomkraftwerke sind auf dem Weg dahin nur hinderlich.

 
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