Kompromiss «beruflich unerfahrener Menschen»: 

netzeitung.deWeise kritisiert «Katastrophe» Jobcenter

 Herausgeber: netzeitung.de

Weise ist mit den Jobcentern unzufrieden (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Weise ist mit den Jobcentern unzufrieden
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Der Chef der Bundesagentur für Arbeit hält die derzeitige Aufgabenverteilung in den Jobcentern für katastrophal. Er fordert eine klare Aufgabenverteilung. Mitarbeiter der Bundesagentur sollten ausschließlich für die Beratung und Vermittlung zuständig sein.

Als Katastrophe hat der Vorstandsvorsitzende der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, die Zusammenarbeit zwischen seiner Behörde und den Kommunen in den Jobcentern bezeichnet.

Die bundesweiten Arbeitsgemeinschaften, in denen beide Seiten je zur Hälfte Verantwortung trügen, seien «ein Mitternachtsbierdeckelkompromiss von beruflich unerfahrenen Menschen» gewesen, sagte Weise am Samstag im Deutschlandradio Kultur.

Er forderte ein neues Modell, in dem die Bundesagentur alleine für Beratung und Vermittlung von Arbeitslosen zuständig sein solle. Die Kommunen sollten dagegen sozial-integrative Leistungen, die für die Arbeitsaufnahme wichtig seien, zur Verfügung stellen. Als Beispiel nannte er die Kinderbetreuung. Eine klare Aufgabenverteilung sei das viel bessere Modell, als « Mitternachtsbierdeckelkompromiss von beruflich unerfahrenen Menschen sagte Weise.

Die Arbeitsgemeinschaften kümmern sich seit der Hartz-IV-Reform um die Leistungen für Langzeitarbeitslose und um ihre Vermittlung in den Arbeitsmarkt. Das Bundesverfassungsgericht hatte Ende Dezember entschieden, dass die bisherige Konstruktion gegen das Grundgesetz verstößt. Es sei eine unzulässige Mischverwaltung von Bundesagentur für Arbeit einerseits und Kommunen andererseits. Bis Ende 2010 muss dies geändert werden. Am Montag treffen sich in Berlin die Arbeits- und Sozialminister von Bund und Ländern zu Beratungen über eine Neuordnung.

Weise zog ansonsten eine positive Bilanz der jüngsten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Die Dauer der Arbeitslosigkeit habe sich in den vergangenen zwei Jahren um ein Drittel verkürzt und liege im Schnitt bei unter drei Monaten. Etwa 900.000 Menschen bekämen allerdings noch immer bis zu zwölf Monate Arbeitslosengeld. Pro Jahr wechselten etwa sieben bis acht Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz. (AP)