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Hochzeit ohne Standesamt: 

Anstieg von muslimischen Viel-Ehen befürchtet

08. Jul 2008 21:30
Frauenrechtlerinnen warnen vor Zwangshochzeiten
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Kritiker an der Eherechts-Reform betonen, dass nur die standesamtliche Regelung Viel-Ehen verhindere. Derweil hat sich der Zentralrat der Muslime in der Debatte zu Wort gemeldet.

Gegen kirchliche Hochzeiten ohne Gang zum Standesamt regt sich zunehmend Widerstand. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bezeichnete die Neuregelung des Eherechts, die von 2009 an gelten soll, im «Münchner Merkur» als Fehler. «Die Bundesregierung hat über die Konsequenzen dieser Streichung nicht richtig nachgedacht», sagte er. «Für mich ist das kein Fortschritt, sondern gerade was Integration und Gleichberechtigung von Mann und Frau betrifft, ein Rückschritt ins Mittelalter.»

Zuvor hatten Frauenrechtlerinnen vor einem Anstieg der Zahl von muslimischen Viel-Ehen und Zwangsheiraten gewarnt. Auch Politiker von FDP und Linken befürchten, dass die neue Regelung Mehrfach-Ehen den Weg ebnen könnte. Der innenpolitische Sprecher der SPD- Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, kündigte eine Überprüfung an.

«Mir ist vor allem wichtig, dass Frauen in der Ehe rechtlich abgesichert sind», sagte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer, der «tageszeitung». Böhmer sagte, sie setze auf die Mitwirkung der muslimischen Verbände. Nur eine staatliche Trauung biete ausreichenden Schutz.

Angst vor Nachteilen für Frauen und Kinder

Kritiker befürchten, die Regelung berge ausschließlich Nachteile für Frauen und Kinder, die in rein religiös geschlossenen Ehen meist weitaus weniger rechtliche Absicherung hätten als in staatlichen. Frauen könnten gegen ihren Willen verheiratet würden, lauten die Befürchtungen.

Das CDU-Bundesvorstandsmitglied Emine Demirbüken-Wegner forderte eine sofortige Rücknahme der neuen Eheregelung. «Man muss sich schleunigst von dieser Regelung verabschieden», sagte Demirbüken-Wegner der Zeitung. «Nur die standesamtliche Regelung verhindert die Viel-Ehe. Künftig könnten christliche und muslimische Fanatiker das aushebeln.»

Zentralrat rät zum Standesamt zu gehen

Der Zentralrat der Muslime rät trotz der Neuregelung weiterhin auch zu einer standesamtlichen Eheschließung. Vor dem Gesetz sei eine in der Moschee geschlossene Ehe nicht von Belang. «Ich denke besonders an den Schutz der Frau und der Kinder, die beim Scheitern einer Ehe meist die schwächere Partei darstellen, und empfehle schon deshalb die Koppelung von religiöser und standesamtlicher Trauung sowie auch einen Ehevertrag vor dem Notar abzuschließen», sagte der Vorsitzende des als gemäßigt geltenden Zentralrates, Ayyub Axel Köhler.

Nach dem bereits Ende 2006 beschlossenen neuen Personenstandsrecht ist es künftig keine Ordnungswidrigkeit mehr, sich kirchlich trauen zu lassen, ohne vorher die Ehe standesamtlich geschlossen zu haben. Von allen rechtlichen und steuerlichen Vorteilen profitieren aber weiter nur Paare, die vor dem Standesamt geheiratet haben. (dpa/AP)

 
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