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Drohende Altersarmut: 

Mini-Renten schüren Zukunftsangst - mit 51

05. Jul 2008 09:28
Viele werden nur eine sehr kleine Rente bekommen
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Die Sportlehrerin Jankowsky wirkt, als ob sie so schnell nichts umhaut. Doch ihr Rentenbescheid hat es in sich. Mit 482 Euro könnte sie nicht einmal ihre Miete bezahlen. Diese Perspektive teilt sie mit mindestens drei Millionen Deutschen.

482 Euro. Im Monat. Das ist die Zahl, die in Angelika Jankowskys neuer Renteninformation steht. Es ist eine hochgerechnete Zahl, denn die 51-jährige Sportlehrerin muss noch viele Jahre arbeiten, um überhaupt auf diesen Betrag zu kommen. Doch es ist eine Größe, mit der die Berlinerin rechnen muss, unabhängig von der Mini-Rentenerhöhung zum 1. Juli.

Jankowsky wirkt als ob sie so schnell nichts umhaut. Doch der Gedanke an ihre finanzielle Zukunft treibt ihr Sorgenfalten auf die Stirn. «Ich habe null Absicherung», sagt sie. Mit 482 Euro könnte sie noch nicht einmal ihre Miete bezahlen. Vielleicht wird sie einmal von einem Phänomen betroffen sein, das heute nur wenige Rentner kennen: Altersarmut - nach einem Leben voller Arbeit.

Angelika Jankowsky geht es wie vielen Menschen ihrer Generation. Sie hat eine gute Ausbildung, sie ist Akademikerin, doch für eine ausreichende Rente fehlt ihr eine lückenlose «Erwerbsbiografie». Es gab keinen Arbeitgeber, der sie auf Jahrzehnte anstellte. Das Geld floss nicht üppig in die staatliche Rentenkasse. Es floss nur sporadisch und in unterschiedlicher Höhe. Angelika Jankowsky war immer bewusst, dass sie von ihrer staatlichen Rente kaum etwas erwarten kann. Mit 482 Euro könnte sie weder reisen noch gut essen gehen - und selten ins Theater. Ihr Alter wäre arm an Vergnügungen.

1,1 Prozent mehr

Die Sportlehrerin hat privat vorgesorgt. So, wie die Politik es rät, seit Norbert Blüms Credo «Die Renten sind sicher» verklungen ist. Doch ihre Rentenfonds löste sie wieder auf, als sich kein Arbeitgeber mehr fand. Mit diesem Geld machte sie sich 2006 selbstständig, mit einem eigenen Sportstudio im Süden Berlins. Noch sind sie und ihre Geschäftspartnerin nicht in der Gewinnzone. Angelika Jankowsky weiß nicht, ob sie dahin kommen. Es liegt daran, wie viele Menschen Hexenschuss oder Bauchspeck vorbeugen wollen. Doch sie hat eine Arbeit, die ihr Freude macht, ihrer Ausbildung und Erfahrung entspricht. Oft sind es 12 Stunden am Tag.

Die Politik rechnet in Prozenten. 1,1 Prozent mehr Geld bekommen Rentner vom 1. Juli an - statt bisher 0,46 Prozent. Das wird sich in der einzelnen Geldbörse nur mit wenigen Euro im Monat bemerkbar machen. Bundesweit hochgerechnet aber sind es fast 3 Milliarden Euro Mehrausgaben bis Ende 2009. Ist das sinnvoll? Angelika Jankowsky zuckt mit den Schultern. «Ich verfolge die Rentenpolitik nicht. Dafür habe ich gar keine Zeit», sagt sie.

Sie sitzt zwischen Ellipsentrainern und Gymnastikbällen. Fast jeden Tag bietet sie Kurse an, Rückentraining, Konditionsgymnastik, Kraftsport. Sie fragt sich, ob sie das in 15 Jahren körperlich noch schafft. Doch sie ist kein Jammer-Typ. Die Stationen ihres Arbeitslebens zählt sie nüchtern auf. Nach dem Sportstudium mit 2. Staatsexamen erhielt sie als Lehrerin Mitte der 80er Jahre keine Anstellung. Sie machte Babypause, ihr Mann finanzierte die Familie.

Früher einmal «Mittelschicht»

Fünf Jahre später sah es auf dem «Arbeitsmarkt Schule» nicht besser aus. Da nahm sie die Sache selbst in die Hand und arbeitete als Honorarkraft in einem Sportstudio. 2001 setzte sie eine Anstellung auf 30-Stunden-Basis durch. Doch als das Studio ihr zwei Jahre später gesetzliche Feiertage als Urlaubstage anrechnete, protestierte sie. «Da haben sie mich rausgeworfen.»

Angelika Jankowsky war nicht der Typ für die Arbeitslosigkeit. Sie bewarb sich bei Schulen, immer wieder. Die Antworten lauteten: Leider zu alt. Mit 47 Jahren rutschte die Lehrerin, inzwischen geschieden, auf Arbeitslosengeld II. Heute bleiben ihr 180 Euro im Monat für persönliche Wünsche. «Sparen ist nicht drin», sagt sie. Auch ihrer Tochter kann sie nichts dazugeben für das Studium. Das tut ihr mehr weh als der eigene Verzicht. Für die einzige Alterssicherung hat sie nichts selber beigetragen: Es ist «Vaters Häuschen».

Angelika Jankowsky verkörpert etwas, das einmal «Mittelschicht» hieß. Nur eine Generation zuvor hätte sie wahrscheinlich selbst ein Haus gebaut und für die Ausbildung der Tochter gespart. Heute schaut sie manchmal betagten Frauen hinterher, die in abgetragener Kleidung den Bürgersteig entlangschlurfen. Sozialverbände wie der VdK schätzen, dass bald drei Millionen Rentnern in Deutschland Altersarmut droht. Darunter werden auch Menschen aus der Mittelschicht sein. Diese Perspektive mag ein unheimliches Gefühl sein, mit Anfang 50. «Ich verdränge das», sagt Angelika Jankowsky. (Ulrike von Leszczynski, dpa)

 
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