US-Botschaft in Berlin:
Erst 1939 ging es an den Pariser Platz
04. Jul 2008 18:46
 |  Die US-Botschaft am Pariser Platz 1940 | Foto: AP |
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Der neue Standort der amerikanischen Botschaft ist gar nicht so historisch, wie man denkt. Nur ganz kurze Zeit residierte der US-Botschafter am Pariser Platz. Viel länger währten die Adressen Unter den Linden und am Tiergarten.
John Quincy Adams hatte 1797 in Berlin keine leichte Aufgabe. Als erster US-Botschafter in deutschen Landen musste er so manchem Gesprächspartner erst erläutern, was die Vereinigten Staaten von Amerika waren. Sein Staat war erst zwei Jahrzehnte zuvor gegründet worden – am 4. Juli 1776. Adams war auch der erste US-Diplomat, der dauerhaft in Berlin blieb. Er nahm sich an einer Ecke der Friedrichstraße Wohnung und Residenz. Auch seine Nachfolger suchten sich eigene Quartiere – dementsprechend häufig wechselte die Adresse der US-Botschaft.
Keine Lust, Hitler zu sehen
Erst in den 1920er Jahren dachten die USA über den Kauf eines Gebäudes nach. Die Wahl fiel schließlich auf das Blücher-Palais am Pariser Platz, direkt am Brandenburger Tor. Doch das brannte aus. Die USA kauften es 1931 dennoch. Allerdings verhinderten die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise eine schnelle Renovierung. Der Wahlsieg der Nationalsozialisten 1933 ließ den damaligen Botschafter William Edward Dodd lieber im gemieteten Quartier am Tiergarten bleiben: Er mochte weder Adolf Hitler noch Aufmärsche auf dem Pariser Platz.Erst als Albert Speer für seine Germania-Planungen den Abriss des alten Diplomatenviertels am Tiergarten vorsah, zog die US-Vertretung 1939 an den Pariser Platz. Ihren Botschafter hatten die Amerikaner zu dieser Zeit aber aus Protest gegen die Juden-Pogrome bereits abgezogen. Die verbleibenden Diplomaten verließen Deutschland 1941, nachdem Hitler den USA den Krieg erklärt hatte. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude schwer beschädigt.
Aus dem Niemandsland nach Unter den Linden
In den Jahrzehnten des Kalten Krieges schließlich lag das Grundstück im Niemandsland am Mauerstreifen. Nach dem Krieg trug die DDR Ende der 50er Jahre die Reste der während des Krieges zerstörten Botschaft ab. In West-Berlin hatten die USA eine Vertretung in der Clayallee. Die Botschaft zog nach Bonn. In der DDR residierten die Amerikaner in der Neustädtischen Kirchstraße, nahe des Boulevards Unter den Linden. Nach dem Umzug der Bundesregierung nach Berlin 1999 wurde dieses Gebäude zum offiziellen Sitz der US-Botschaft. Im Mai 2008 zog die Botschaft schließlich ins neue Gebäude an den Pariser Platz um. Streit zwischen Berlin und den USA gab es um Sicherheitsbestimmungen für den Neubau, die mit dem Bebauungsplan des Pariser Platzes nicht vereinbar waren. So hatten die USA nach Bombenanschlägen auf eigene Botschaften in Afrika 1998 ein Gesetz erlassen, dem zufolge alle Neubauten mindestens 30 Meter von der Straße zurückliegen müssen. Dies hätte zu einer optischen Störung des quadratisch angelegten Pariser Platzes geführt, an dem auch das Hotel Adlon, die französische Botschaft und die Akademie der Künste liegen.
Verlegung in den Grunewald erwogen
Besonders erbittert fochten der damalige Regierende Bürgermeister Eberhard Diepgen und der frühere US-Botschafter John Kornblum den Streit um die Sicherheitsbestimmungen. Sogar eine Verlegung der Botschaft in den Grunewald wurde von US-Seite erwogen. Erst 2002 gelang ein Kompromiss, der die Verlegung der rückseitigen Behrenstraße auf Kosten der USA um einige Meter nach Süden vorsah. Die USA hatten die gesetzlichen Sicherheitsanforderungen außerdem gelockert. Im Oktober 2004 war die Zeit reif für den symbolischen ersten Spatenstich. Zwei Jahre später wurde Richtfest gefeiert. (dpa/AP)