Rede auf dem Deutschen Bauerntag: 

netzeitung.deKanzlerin auf Bauernfang

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Ist das schon Bestechung? (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Ist das schon Bestechung?
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bei ihrer Rede vor rund 1000 Landwirten in Berlin schaffte die Kanzlerin den Spagat: Obwohl sie keine finanziellen Hilfen zusagte, würden ihr die Bauern am liebsten einen Gedenkstein widmen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) umwirbt die deutsche Landwirtschaft. «Mein Herz schlägt für die Bauern», sagt sie auf dem Deutschen Bauerntag in Berlin. Ein Geschenk hat Merkel den rund 1000 Landwirten zum 60-jährigen Bestehen des Deutschen Bauernverbands mitgebracht: Sie will sich dafür stark machen, dass die Branche nicht geschwächt wird.

Wie groß aber die Aussichten dafür sind, dass Merkel auf europäischer Ebene eine Kürzung der direkten Beihilfen zugunsten ländlicher Regionen verhindern oder sich für finanzielle Hilfen für die Milchbauern starkmachen kann, ist ungewiss. Sie sagt zumindest Bundesagrarminister Horst Seehofer (CSU) ihre «volle Unterstützung» zu. Der will die Kürzungen verhindern und für einen Milchfonds von bis zu 300 Millionen Euro pro Jahr kämpfen.

Wenig Hoffnung auf Steuergeschenke
Merkel ist Realistin. Knapp ein Jahr vor der Bundestagswahl sieht sie innenpolitisch wenig Spielraum, um die Bauern finanziell zu entlasten. Da hilft ein wenig Lob immer. «Wir wissen um Ihre Arbeit für unser Land», sagt die Kanzlerin den Bauern. Die Bedeutung der Landwirtschaft werde zunehmen. Merkel kündigt an, bei der Reform der Erbschaftsteuer die Interessen der Landwirte zu berücksichtigen und keine übermäßige Belastung zuzulassen.

Doch gleichzeitig dämpft die Kanzlerin Hoffnungen auf Steuergeschenke. Im Saal des Bauerntags rumort es. Landwirte lassen sich nicht so einfach abspeisen. «Ich weiß ja jetzt, dass sie noch nicht zufrieden sind», reagiert Merkel prompt. Sie könne aber nicht mehr sagen als der Landwirtschaftsminister. Auch Seehofer lässt allerdings vieles im Vagen.

Boom bei gleichzeitiger Kostenlawine
Die Landwirtschaft boomt. Doch das Bild ist zweigeteilt: Denn zugleich dringt Bauernpräsident Gerd Sonnleitner auf finanzielle Hilfen für Milchviehhalter und weist auf rote Zahlen der Schweinehalter hin. Er klagt über eine Kostenlawine. Von April 2007 bis April 2008 habe sich Dünger um 70 Prozent verteuert, Futter um 40 Prozent und Saatgut um ein Viertel. Die Erzeugerpreise - das, was die Bauern für ihre Produktion bekommen - seien im gleichen Zeitraum nur um 14 Prozent gestiegen.

Die Milchbauern fürchten vor allem, dass mit dem geplanten Wegfall der Milchquote - der europaweiten Produktionsbeschränkung - im Jahr 2015 die Preise sinken und es zu Einbußen kommt. Merkel sieht die Gefahr. «Die Situation hier ist in der Tat außerordentlich schwierig», sagt sie.

Gedenkstein für Merkel?
Die Milchbauern kämpfen weiter für höhere Preise und für mehr Marktmacht gegenüber dem Einzelhandel. In seinen Milch- Spitzengesprächen will Seehofer auch noch mit dem Handel sprechen. Sonnleitner versichert den Milchbauern seine Solidarität, auch wenn er sagt, der Lieferstopp sei nicht die Erfindung des Bauernverbands gewesen. Merkel macht den Bauern Mut und appelliert an die gesamte Branche, ihr Gewicht am Markt zu stärken.

So sehr das Herz von Merkel für die Bauern schlägt, so sehr hat auch Merkel die Sympathie von Sonnleitner gewonnen. Nach ihrer Rede auf dem Bauerntag bringt er schmunzelnd ins Gespräch, für die Kanzlerin angesichts der Unterstützung einen Gedenkstein aufzustellen. (Marc-Oliver von Riegen, dpa)