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Streit um Ausstieg: 

Atom spaltet Koalition

29. Jun 2008 16:29
Hoffnung oder Risiko? Feuerwehreinsatz im AKW Krümmel
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Die Union will den Ausstieg aus dem Ausstieg, Bundesumweltminister Gabriel wirft ihr «Lobbyismus» vor. Was wie ein Sommertheater beginnt, könnte sich zu einer ernsthaften Krise der Koalition ausweiten.

Der Koalitionsstreit über die weitere Nutzung der Atomkraft in Deutschland nimmt an Schärfe zu. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) warnte CDU und CSU am Wochenende, den Vorschlag längerer Reaktorlaufzeiten weiterzuverfolgen. «Der Atom-Ausstieg hat einen tiefen gesellschaftlichen Konflikt in unserem Land befriedet», sagte Gabriel dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel».
«Dreister als die Union kann man diese Risikotechnologie nicht verharmlosen», sagte er überdies in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa) in Berlin. «Mit diesem Credo betreibt die CDU keine seriöse Energiepolitik, sondern betätigt sich als Lobby für die Atomkonzerne, damit diese mit jedem einzelnen Alt-Reaktor weiterhin eine Million Euro pro Tag zusätzlich verdienen können.»

Pannenreaktor Brunsbüttel
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Zusammen mit der FDP forderte die Union dennoch eine Abkehr vom Atom-Ausstieg und stellte für den Fall billigeren Strom in Aussicht. Gabriel warf dem Koalitionspartner «ideologische Kurzsichtigkeit» und «Etikettenschwindel» vor. «CDU und CSU verschließen die Augen vor den Gefahren der Atomkraft und reden sich diese Risikotechnologie schön», sagte der Minister der «Rheinpfalz am Sonntag».

Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte dagegen dem «Tagesspiegel am Sonntag», Deutschland könne nicht auf Atomenergie verzichten. «Mehrere große Stromerzeuger haben bereits erklärt, dass sie bereit sind, die zusätzlichen Gewinne aus längeren Laufzeiten an die Kunden zurück zu geben und Strom zu verbilligen», wurde der CDU-Politiker zitiert. Zudem trügen Atomkraftwerke zum Klimaschutz bei: Sie sparten «so viel Kohlendioxyd ein, wie der gesamte Autoverkehr in Deutschland produziert», sagte Kauder. Nötig sei ein «Ausstieg vom Ausstieg».

Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) ergänzte, wenn die Stromversorgung verlässlich, bezahlbar und klimafreundlich sein solle, «müssen wir die energiepolitische Sackgasse des Ausstiegs aus der Kernenergie verlassen - und zwar schnell.» Der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle erklärte in der «BZ am Sonntag», bei längeren Laufzeiten seien bis zu zehn Prozent günstigere Strompreise möglich.

Radioaktive Lauge in Asse II

Gabriel dagegen bezeichnete es als ein Märchen, «dass längere Laufzeiten für die bestehenden Atomkraftwerke den Strom billiger machen würden». An der Strombörse bestimme nicht das billigste Kraftwerk den Preis, sondern das teuerste. Atomenergie lasse sich zudem keineswegs CO2-frei erzeugen. Die produktionsbedingten Emissionen könnten bis zu 126 Gramm CO2 pro Kilowattstunde betragen.

Die Energieversorger forderte der Minister in der «Leipziger Volkszeitung» auf, die vorgesehenen Möglichkeiten zu nutzen, «um die sichersten Atomkraftwerke länger laufenzulassen». So könnten die sieben ältesten Meiler abgeschaltet werden und deren Laufzeit auf die neun jüngeren übertragen werden. Diese könnten dann teils weit über das Jahr 2020 hinaus laufen.

Seit Jahrzehnten demonstrieren Menschen in Deutschland gegen Atomkraft
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Wie sicher die Nutzung der Atomenergie in Deutschland ist, ist jedoch umstritten. Erst kürzlich war beispielsweise bekanntgeworden, dass in dem Atommüll- Versuchsendlager Asse II in Niedersachsen radioaktive Lauge ausgetreten war und jahrelang in den bislang unbelasteten tiefsten Teil des früheren Salzbergwerks gepumpt wurde. Dass das ohne Wissen des für die Aufsicht zuständigen Umweltministeriums in Hannover geschehe, zeige, «dass mit der Kommunikation zwischen den Beteiligten einiges nicht hinhaut», hatte Gabriel gesagt.

Einen Bericht über eine mögliche Sondersteuer auf Atomstrom ließ der Umweltminister am Samstagabend von einem Sprecher dementieren. Der «Spiegel» hatte unter Berufung auf ein internes Ministeriumspapier berichtet, Gabriel plädiere für eine Brennelemente-Steuer» in Höhe von einem Cent pro Kilowattstunde. Der Sprecher sagte, es gebe kein Papier diesen Inhalts. Höhere Steuern für Atomstrom seien keine Forderung des Bundesumweltministeriums. Politiker aus CDU und CSU hatten den Vorschlag am Samstag bereits vorsorglich kritisiert. (AP/dpa)

 
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