Radioaktive Lauge in Asse II:
«So kann man mit Atommüll nicht umgehen»
26.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Um es zu stabilisieren, werden ebenfalls bereits seit Jahren Hohlräume mit Salz aufgefüllt. Außerdem wird erwogen, es gezielt zu fluten. Vor einigen Tagen wurde bekannt, dass die Salzlauge im Lager radioaktiv belastet ist. Die zulässigen Grenzwerte sollen um das Acht- bis Neunfache überschritten sein. Gabriel zweifelt die Zuverlässigkeit des Betreibers, dem Helmholtz Zentrum München, an und wirft ihm vor, ohne Genehmigung gehandelt zu haben.
Die Grünen verlangten, den Ländern die Atomaufsicht zu entziehen. Es sei notwendig, «die Aufsicht über die Atomkraftwerke und den Strahlenschutz den Ländern wegzunehmen», sagte Ex-Umweltminister und Grünen-Fraktionsvize Jürgen Trittin. Gabriel lehnte eine Debatte über das Verfahren ab. Das Bundesumweltministerium habe sich bereits eingeschaltet.
Die Grünen warnten vor Folgen für die Bevölkerung. Die Vorstellung, dass radioaktives Trinkwasser spätestens nach 150 Jahren nicht mehr auszuschließen sei, «ist der reinste Horror», sagte die Umweltpolitikerin Sylvia Kotting-Uhl. «So kann man mit Atommüll nicht umgehen.» Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) ist für das Helmholtz Zentrum verantwortlich.
Der niedersächsische Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) bekräftigte, dass ein Bericht über die Pannen geplant sei. Seine Behörde habe erst im Juni von einer zusätzlichen Strahlenbelastung erfahren. Gabriel schickt wegen der Pannen eine Expertengruppe nach Niedersachsen. Noch in diesem Jahr soll über ein Schließungskonzept für Asse II entschieden werden. Die Standsicherheit des Lagers ist derzeit nicht über 2014 hinaus gewährleistet. (dpa/AP)

