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Tagesthema Schwul-lesbisches Leben: 

Die Lesbe, das unbekannte Wesen

27. Jun 2008 13:25
Suchbild: Wo ist die Lesbe?
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Lesbische Frauen führen in Deutschland noch immer ein Schattendasein. Selbst in der CSD-Saison sind sie nahezu unsichtbar, findet Manuela Kay, Chefredakteurin von Deutschlands einzigem Lesbenmagazin «L-Mag».

Schätzungsweise zwei Millionen Frauen in Deutschland sind lesbisch. Aber wie viele kennen Sie persönlich? Und wie viele Lesben stehen eigentlich im Licht der Öffentlichkeit? Welche bekleiden gesellschaftlich wichtige Funktionen oder Ämter?

Welche lesbischen Frauen können Vorbilder sein, für junge Frauen oder für all jene, die sich fragen, welchen verschiedenen Arten des Frauseins in unserer Gesellschaft eigentlich möglich sind? Da fallen einem so gut wie keine Namen ein.

Alljährlich zur Christopher-Street-Day-Saison greifen die Medien - oftmals notgedrungen und entsprechend lieblos - das Thema Homosexualität auf. Doch dabei wird Homosexualität immer noch mit Schwulsein gleichgesetzt. Und so sind jedes Jahr die gleichen CSD-Bilder zu sehen: Grell geschminkte Tunten, mal in Gesellschaft von Politikern, mal neben gut gebauten oben-ohne-Boys.

Manuela Kay mit der selbstbewussten L-Geste.
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Die andere Hälfte der Teilnehmenden an den über 20 Paraden in Deutschland wird gern mal unterschlagen oder als heterosexuelle Begleiterin (die so genannte Schwulen-Gabi) subsumiert. Zum CSD gehen hunderttausende lesbische Frauen auf die Straße, doch sind sie längst nicht so extrovertiert und damit medientauglich wie die männlichen Homosexuellen. Woran liegt das eigentlich?

Schwule Männer als Vorbild

Lange Zeit teilten die Schwulen das Schicksal der Unsichtbarkeit mit den Lesben. Doch inzwischen haben sie sich – als Männer nicht unbedingt zu Zurückhaltung und Bescheidenheit erzogen – einiges an Anerkennung erarbeitet.

Durch den Kampf gegen den Paragraf 175 und Aids nahmen sie es selbst in die Hand, für ihre Rechte zu kämpfen und ihre gesellschaftliche Position einzuklagen. Hinzu kommt der «Coolnessfaktor»: Fast jede Fernsehserie hat heute ihren gutaussehenden, charmanten «Quoten-Schwulen». Auch die Werbebranche hat homosexuelle Männer bereits als zahlungskräftige Zielgruppe entdeckt.

Derweil dümpeln die Lesben still und unbemerkt vor sich hin. TV-Events wie die US-Reihe «The L Word», in denen schöne Frauen in Führungspositionen Frauen lieben, werden von ihrem Lizenzkäufer Prosieben alle Jahre wieder auf unbestimmte Zeit verschoben.

Wir sind cool und sexy

Anne Will hakt das Thema mit einem schlichten «Ja, wir sind ein Paar» in der «Bild»-Zeitung ab. In der Mainstream-Wahrnehmung haben Lesben weiterhin das Image der graumausigen Spaßbremsen in praktischer, aber unattraktiver Allwetter-Kleidung.

Da ist es schwer, der Welt zu verkünden, dass wir auch cool, sexy, trendy und wichtig sind. Vor allem, weil sich viele Frauen noch immer mit ihrem Status in patriarchalen Gesellschaften herumschlagen und diese stärker hinterfragen, als es viele Schwule tun. Während diese also schon feiern, meckern die Lesben noch immer über soziale Missstände. Sind sie letztlich also selbst schuld am Spaßbremsen-Image?

Die große Neuigkeit ist schlicht diese: Lesben können sehr wohl gut aussehen, konsumfreudig, partywillig und humorvoll sein. Sie können genauso gut praktisch gekleidet sein, sich politisch engagieren, unsere Spaß-Konsum-Gesellschaft hinterfragen - und dabei trotzdem noch guten Sex und Spaß am Leben haben.

Keine falsche Bescheidenheit

Eine Menge zu sagen haben sie so oder so. Nur müssten sie die «weiblichen Tugenden» der Zurückhaltung, Vorsicht und Bescheidenheit ablegen. Noch immer kommt viel zu vielen lesbischen Frauen das «L-Wort» nicht über die Lippen. Noch immer gibt es zu zahlreiche Frauen, die angeblich vor lauter Karriere, Sport oder Stress kein Privatleben haben.

Dabei haben sie nur keines, das sie vorzeigbar finden. Und genau das muss sich endlich ändern. Nur wenn man sich selbst für vorzeigbar hält, kann man auch mit der nötigen Souveränität nach außen agieren. Die Schwulen haben es vorgemacht. Deshalb ist es höchste Zeit, dass Deutschland endlich lesbisch wird.

Manuela Kay ist Chefredakteurin von «L-Mag», Deutschlands einzigem Magazin für Lesben. Anlässlich des fünften Geburtstages ihrer Zeitschrift hat sie die Kampagne „Deutschland wird lesbisch“ initiiert, die lesbische Frauen ermutigen soll, öffentlich Gesicht zu zeigen.


 
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