Wie lange ein Patient im Sprechzimmer sein sollte, lässt sich allerdings nur schwer beziffern. Beim ersten Besuch, bei dem auch die Krankheitsgeschichte erfasst wird, brauche ein Arzt mindestens eine halbe Stunde, ist Grebe überzeugt. Für eine Kontrolluntersuchung dagegen reichten 10 bis 15 Minuten. «Es gibt aber Berechnungen von Verbänden, die auf vier bis sieben Minuten kommen.» In manchen Praxen würden jeden Tag 120 bis 150 Patienten «durchgezogen».Doch wie kann ein Patient einen Arzt dazu bringen, ausführlich mit ihm zu reden? Der einhellige Rat der Experten: sich gut auf den Arztbesuch vorbereiten. «Man sollte sich vorher informieren und eine Liste mit Fragen aufschreiben», empfiehlt Ingolf Dürr vom Deutschen Grünen Kreuz (DKG) in Marburg. «Sonst ist man irgendwann in der Situation, dass man nur noch zuhört und sich nicht mehr traut zu fragen.» Informationsquellen könnten etwa das Internet sein, aber auch Gesundheitslexika, Krankenkassen oder das Gesundheitsamt.
Bei Fachausdrücken muss man einfach nachhaken: «Meist lässt sich das zwar nicht mit einem Schlagwort, aber doch in zwei, drei Sätzen erklären.» Und auch wenn es ganz schwierig ist: Patienten sollten nach Ansicht des Ethik-Professors Schnell auf jeden Fall versuchen, «mal ein kritisches Wort mit ihrem Arzt zu reden». «Es hilft wirklich, wenn man das Verhalten des Arztes spiegelt - er merkt es zum Beispiel häufig gar nicht, dass er die ganze Zeit in den Computer guckt.» Wenn aber alles Reden nichts nützt, helfe nur ein klarer Schnitt, rät Schnell: «Den Arzt wechseln.» (Julia Ranniko, dpa)