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Ausländische Studierende: 

Chinatown in Niedersachsen

29. Jun 2008 10:05
Zhenan Zhang (v.l), Yuenan Fan und Fu Shasha in Clausthal
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Seit fünf Jahren studiert Zhang Ning bereits in Deutschland. Die Heimreise wird zur Kostenfrage. Doch er ist auch am Wochenende nicht allein: Das Harzstädtchen Clausthal ist eine «chinesische Stadt» - ein Fünftel der Studenten kommt aus Fernost.

Von Zeit zu Zeit wird Zhang Zhenan doch ein wenig sentimental. Wenn seine deutschen Kommilitonen am Wochenende oder in den Ferien zu ihren Eltern fahren, blickt ihnen der junge Chinese neidisch hinterher. Sein Elternhaus liegt in der Provinz Liaoning, nordöstlich der Hauptstadt Peking. Von seinem Studienort Clausthal-Zellerfeld sind es mehr als 7500 Kilometer dorthin. Leisten kann er sich die Reise dorthin höchstens einmal im Jahr. Doch wirklich alleine ist Zhang im Harz nicht, er teilt sein Schicksal mit etwa 600 anderen chinesischen Studenten. Eine höhere Quote an Studierenden aus dem Reich der Mitte als die Technische Universität (TU) im Harz kann keine andere deutsche Hochschule vorweisen - jeder Fünfte der rund 3000 Studenten kommt aus China.

«Clausthal ist fast schon eine chinesische Stadt», sagen Zhang und seine Freunde. Gerade mal 15.000 Einwohner zählt die kleine Bergstadt, so fallen die zahlreichen jungen Menschen aus Fernost sehr auf. Aus den boomenden Millionenstädten ihrer Heimat in den beschaulichen Urlaubsort - das sei natürlich eine Umstellung gewesen, sagt Fan Yuenan. «Aber hier ist es viel stiller als zu Hause. Ich kann mich ganz auf mein Studium konzentrieren.» Und ihr Kommilitone Zhang Ning hat Clausthal sogar richtig liebgewonnen: «Wir brauchen für die Erholung nicht zu zahlen», sagt er schmunzelnd mit Blick auf die zahlreichen Senioren, die als Touristen in den Harz kommen.

Seit fünf Jahren ist Zhang Ning bereits in Deutschland, in Clausthal studiert er wie so viele seiner Kommilitonen Maschinenbau. Auch der prominenteste Absolvent aus Fernost hat hier in diesem Fach promoviert: Der chinesische Forschungsminister Wang Gang. Nicht nur seinetwegen ist das kleine Clausthal in China ein Begriff. Mit vier Unis im Reich der Mitte hat die TU Kooperationsabkommen geschlossen. «Man kennt uns», ist TU-Vizepräsident Prof. Thomas Hanschke überzeugt. «Wir sind auf dem internationalen Bildungsmarkt gut positioniert.» Studiengänge wie etwa «Geoenvironmental engineering» seien speziell für die chinesischen Studenten entwickelt worden. «Die Nachfrage ist immer noch sehr groß», sagt Almut Steinbach, Geschäftsführerin des Internationalen Zentrums. «Da machen wir uns keine Gedanken.»

Bessere Aussichten

Dass nur Studenten, die der Kommunistischen Partei nahestehen, nach Clausthal dürfen, glaubt Steinbach nicht. «Natürlich können wir schlecht hinter die Kulissen gucken», sagt sie. «Wir gehen aber davon aus, dass die meisten sich aus Eigeninitiative bewerben.» So legt die TU gewisse Maßstäbe fest, nach denen sie die Bewerber auswählt. Zudem reist eine Mitarbeiterin des Internationalen Zentrums regelmäßig nach China, um die obligatorischen Sprachprüfungen abzunehmen.

Die Chinesen erhoffen sich vom Studium in Deutschland in erster Linie bessere Berufsaussichten. «Die Absolventen sind hochattraktiv für westliche Unternehmen in China», sagt Steinbach. Einen solchen Job hat auch Zhang Zhenan fest im Visier. «In Deutschland haben wir keine Chance», sagt er. «Hier werden Muttersprachler bevorzugt.» Der Rückzug nach China hätte für ihn noch einen weiteren Vorteil: Er wäre dann wieder in der Nähe seiner Familie.

Damit die Integration der Studierenden aus Fernost gelingt, bietet das Internationale Zentrum unter anderem Exkursionen oder Arbeitsgruppen an. «Wir achten darauf, dass die Gruppen nicht nur aus Chinesen, sondern auch aus anderen Ausländern und Deutschen bestehen», sagt Geschäftsführerin Steinbach. Bei Zhang Ning hat das bestens funktioniert - er ist sogar Mitglied des Studentenausschusses AStA. Zu ihren deutschen Studienkollegen haben die Chinesen allerdings kaum Kontakt. Fan Yuenan will das ihre dazu beitragen, dass sich das ändert: «Wir sind eine Brücke zwischen Deutschland und China.» (Benedikt von Imhoff, dpa)

 
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