Der Bundespräsident warb für eine neue Gründerzeit. Schon in den Schulen müssten solide Grundkenntnisse über die Wirtschaft vermittelt werden. Geld für die Umsetzung von Ideen sei reichlich da. Der Löwenanteil der ordentliche Gewinne «sollte in den schöpferischen Kern unserer Wirtschaft zurückfließen, in Forschung und Entwicklung eben, in die Modernisierung der Betriebe und die Schulung der Mitarbeiter». Köhler forderte die Banken auf, Ideengeber stärker zu unterstützen. Er verteidigte starke Gewerkschaften und Flächentarifverträge, trat aber auch für betriebliche Bündnisse ein. Als Hemmnis prangerte Köhler erneut das komplizierte Steuersystem an. Ein Steuerrecht müsse «klar, einfach, wirksam und fair» sein. Heute zahlten schon Facharbeiter Steuersätze, die früher nur für Reiche gegolten hätten. «Das alles drückt auf die Steuermoral und den Leistungswillen.»
Wie schon bei seiner «Berliner Rede» vor zwei Jahren geißelte Köhler die Mängel des deutschen Bildungssystems. «Deutschland braucht ein Klima der Begeisterung und der Anerkennung für Bildung.» Das Bildungssystem dürfe niemanden zurücklassen. «Es ist beschämend, wie oft in unserem Bildungswesen die Herkunft eines Menschen seine Zukunft belastet.»
Für die weit verbreitete Unzufriedenheit vieler Bürger über die politische Ordnung zeigte Köhler Verständnis: Dies habe einen berechtigten Kern. Die politische Ordnung reagiere zu langsam und verwische Verantwortlichkeiten. Die grundlegenden Strukturen hätten sich aber bewährt. Köhler befürwortete eine Verlängerung der Legislaturperiode auf fünf Jahre. Um die demokratische Teilhabe zu stärken, sprach er sich dafür aus, den Wählern mehr Einfluss bei der Aufstellung von Wahllisten zu geben. (dpa)