Wiederholung der Matheprüfung in Berlin: 

netzeitung.deWie kompetent ist denn der Bildungssenator?!

 Herausgeber: netzeitung.de

Dass in Berlin Zehntausende Schüler ihre Matheprüfung wiederholen müssen, weil die Fragen vorher bekannt wurden, regt nicht nur die Betroffenen auf. «Berliner Zeitungs»-Redakteurin Abini Zöllner meint: fair wäre etwas ganz anderes.

Erstmals wurden in Deutschland Aufgaben vor der Prüfung bekannt. Jedenfalls erfuhr erstmals der Berliner Senat davon. So geschehen am vergangenen Mittwoch. Um 9.55 Uhr gingen in der Verwaltung bereits Anrufe ein. Fünf Minuten vor Prüfungsbeginn! Zu spät, um abzusagen? Bildungssenator Jürgen Zöllner und der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sind sich jetzt einig, dass die Mathe-MSA-Prüfung wiederholt werden muss. Wer nicht zur Wiederholung am 23. Juni erscheint, bekommt umgehend eine Sechs. Und wer nicht umgehend den Hinweisen nachging?

Es geht um «fairen Wettbewerb». Aber was ist noch fair? Ist es fair, zwei Stunden lang an 346 Schulen eine Klausur schreiben zu lassen, die nicht gewertet wird? Ist es gerecht, die Ehrlichen zu bestrafen? Ist es anständig, den Vorschlag der Erziehungsgewerkschaft, die Prüfungsnote durch die Jahrgangsnote zu ersetzen, abzuwehren, ohne eine Alternative anzubieten? Die Idee der GEW entsprach zwar nicht den Regeln, aber der Umgang mit dem Prüfungsmaterial auch nicht: Zwei Wochen zu früh sollen die Mathe-Aufgaben an Schulen gegeben worden sein. Aus reiner Sparsamkeit, denn Berlin rechnet. Aber leider nicht mit Betrug.

Die MSA-Prüfung dient übrigens der «Feststellung des Kompetenzerwerbs». Wie kompetent ist eigentlich Jürgen Zöllner? Er spricht von einer «großen Zahl von Schülern», obwohl die meisten der 28.000 von Betrug gar nichts wussten. Mit solch «gefühlten» Zahlen wäre der Bildungssenator wohl durch jeden Mathe-Test gerauscht.
[Dieses Autorenstück übernahm die Netzeitung mit freundlicher Genehmigung der «Berliner Zeitung».]