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Schwul-lesbische Kinderwünsche: 

Regenbogenfamilie statt Rollenmodell

11. Jun 2008 13:40
Mütter mit Kind
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In Norwegen sollen homosexuelle Paare bald Kinder adoptieren dürfen. Deutschland ist davon weit entfernt. Die Netzeitung sprach mit Constanze Körner vom Lesben- und Schwulenverband Berlin Brandenburg über die Situation homosexueller Paare mit Kinderwunsch.

Das norwegische Parlament stimmt am Mittwoch über ein neues Ehegesetz mit völliger Gleichstellung homosexueller Paare ab. Die Annahme gilt als sicher. Gleichgeschlechtliche Ehepaare erhalten in dem skandinavischen Land ein weitgehendes Adoptionsrecht. In Deutschland sind die Möglichkeiten schwuler und lesbischer Lebensgemeinschaften weitaus beschränkter.

Netzeitung: Können schwule und lesbische Paare in Deutschland Kinder adoptieren?

Constanze Körner: Schwule und Lesben haben in Deutschland kein gemeinsames Adoptionsrecht. Auch dann nicht, wenn sie in einer eingetragenen Lebensgemeinschaft leben. Sie können ausschließlich als Einzelpersonen adoptieren.

Netzeitung: Wie wahrscheinlich ist es, auf diesem Weg ein Kind adoptieren zu dürfen?

Körner: Auf jedes zur Adoption freigegebene Kind gibt es zehn Anwärter, meistens heterosexuelle Paare. Als Einzelperson ist eine Adoption theoretisch möglich, aber praktisch gehen die Chancen gegen null. Etwas bessere Chancen gibt es bei Auslandsadoptionen, aber die sind mit sehr großen Aufwand verbunden.

Netzeitung: Welche Möglichkeiten gibt es für Schwule und Lesben außerdem, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen?

Körner: Sie können natürlich immer auch leibliche Kinder bekommen. Lesbische Frauen können zu einer Samenbank gehen oder zu Ärzten, die Samen beziehen. Das ist aber in jedem Bundesland anders geregelt. In Baden-Württemberg bekommen nur heterosexuelle Frauen eine künstliche Befruchtung, die verheiratet sind oder in einer festen Beziehung leben. Damit folgt Baden-Württemberg einer Richtlinie der Bundesärztekammer. In Berlin wird diese Vorgabe etwas lockerer gehandhabt.

Netzeitung: Welche Möglichkeiten gibt es, wenn die Frau nicht zu einer Samenbank gehen möchte?

Körner: In vielen Regenbogenfamilien leben auch Kinder, die aus einer früheren heterosexuellen Beziehung stammen. Es schließen sich aber auch immer mehr Schwule und Lesben explizit mit dem Wunsch zusammen, eine so genannte Regenbogenfamilie zu gründen. Manchmal kennen sich die künftigen Eltern schon seit vielen Jahren, oder sie gehen auf spezielle Treffen in denen ein Vater oder eine Mutter gesucht wird. Es gibt sehr viele Varianten, wie sich Regenbogenfamilien zusammenfinden.

Netzeitung: Frauen haben es sehr viel leichter, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen.

Körner: Das stimmt. Für Frauen ist es aus biologischer und rechtlicher Sicht einfacher, ein Kind zu bekommen, da Väter nicht automatisch ein Sorgerecht erhalten. Das Problem ist auch, dass in Deutschland maximal zwei Personen das Sorgerecht für ein Kind haben können. Wenn ein lesbisches Paar ein Kind bekommt, fällt der leibliche Vater deshalb häufig raus. Die Lebenspartnerin der leiblichen Mutter kann eine so genannte Stiefkind-Adoption vornehmen – allerdings nur, wenn der Vater auf sein Recht verzichtet. Wir halten diese Regelung für nicht ausreichend. Es sollten mehr als zwei Personen die Möglichkeit haben, das Sorgerecht für ein Kind auszuüben.

Netzeitung: Was regt Sie in der Diskussion um das Adoptionsrecht für schwule und lesbische Paare am meisten auf?

Körner: Mich regt auf, dass immer so getan wird, als ob Schwule und Lesben nicht in der Lage wären, Kinder zu erziehen. Es ist absurd, dass einerseits Einzelpersonen adoptieren dürfen, aber ein sich liebendes homosexuelles Paar nicht.

Netzeitung: Was halten Sie von dem Argument dass Kinder weibliche und männliche Rollenvorbilder brauchen?

Körner: Die Vorstellung von männlichen und weiblichen Rollenmodellen ist heute völlig überholt. Schwule und Lesben leben nicht abgekapselt von der Welt. Es gibt immer auch Kontakte zum anderen Geschlecht. Im Übrigen geht man auch nicht davon aus, dass die Söhne alleinerziehender Mütter sozial gestört sind.

Das Interview führte Caroline Benzel


 
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