11.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Arzt mit seinem Patienten
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die private Krankenversicherung steht auf dem Prüfstand. Einige Konzerne erwägen die Einführung eines Einheitstarifes für alle. Die Idee des klassenlosen Gesundheitsystems findet nicht jeder gut.
Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach hält den Vorschlag über die mögliche Abschaffung der privaten Krankenversicherung für einen «Schritt in die richtige Richtung», sagte er «Spiegel online». Der Markt könne so unbürokratischer und gerechter werden. Der Gesundheitsexperte der Linken, Frank Spieth, sagte, die Unternehmen räumten damit das Scheitern ihres bisherigen Geschäftsmodells ein.
Nach einem Bericht der «Financial Times Deutschland» dringen große Konzerne wie Allianz, Axa und Ergo auf die Einführung einer Einheitsversicherung mit Grundschutz für alle Einwohner.
Die private Krankenvollversicherung, der 8,55 Millionen Menschen angehören, stehe nach diesen Vorstellungen auf dem Prüfstand, schreibt das Blatt. In der Branche seien entsprechende Überlegungen aber höchst umstritten. Der Verband der privaten Krankenversicherung (PKV) wies zurück, dass Unternehmen des Verbands die PKV in ihrer jetzigen Form abschaffen wollten.
Ein Sprecher des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV) sprach lediglich von einem «Diskussionsprozess» im Verband. Anlass sei die demografische Entwicklung. Es gebe aber noch keine abgestimmte Position. Sprecher der Allianz und des Ergo-Konzerns wollten sich ebenfalls nicht inhaltlich äußern.
Die «FTD» bezog sich auf ein GDV-Arbeitspapier, hinter dem die großen Konzerne wie Allianz, Axa oder Ergo stehen sollen. Darin werde für eine Einheitsversicherung mit Grundschutz für alle Einwohner geworben, meldet die Zeitung. Die bisherige private Krankenvollversicherung, die neben den gesetzlichen Kassen besteht, würde damit abgeschafft. Dem Vorschlag zufolge würden die Krankenversicherer anders als heute künftig Einheitsprämien berechnen, unabhängig von Alter und Geschlecht.
Grundabsicherung PflichtDie Grundabsicherung wäre für alle verpflichtend. Angeboten würde sie von privaten und gesetzlichen Kassen zu denselben Konditionen. Alle Anbieter müssten jeden Versicherten akzeptieren, für Kinder würde der Staat die Beiträge zahlen. Daneben würde die PKV Zusatzversicherungen für Leistungen anbieten, die der Grundtarif nicht abdeckt. Langfristig würde die Trennung zwischen gesetzlichen und privaten Kassen aufgehoben.
Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hatte zuletzt im AP-Gespräch ein ganz ähnliches Modell vertreten. Die PKV in ihrer jetzigen Form mit der Besonderheit, vornehmlich Gutverdiener und Gesunde zu versichern, werde auf Dauer nicht bestehen. Sie sei dafür, dass alle Versicherer jeden Interessenten aufnehmen und ihm einen einheitlichen Leistungskatalog anbieten müssen. Schmidt verwies auf Schwierigkeiten der Privatversicherer, die steigenden Gesundheitskosten zu schultern.
PKV-Verband empört Der Verband der Privaten Krankenversicherung hat sich bislang aber jeden Vorstoß einer Angleichung von privaten und gesetzlichen Kassen gewehrt. PKV-Vorsitzender Reinhold Schulte kritisierte den «FTD»-Bericht als «irreführend» und erklärte: «Keines der Mitgliedsunternehmen des Verbandes der privaten Krankenversicherung dringt ungeachtet notwendiger Reformen im Gesundheitswesen auf einen Radikalumbau des Gesundheitswesens oder will gar die private Krankenversicherung in ihrer jetzigen Form abschaffen.»
Nach Kenntnis des PKV-Verbands liege kein «verabschiedetes» GDV-Papier vor. «Interne» Papiere kommentiere man nicht. In der «FTD» kritisierte Uwe Laue, Vorstandschef der Debeka, die Umbaupläne. «Die Kopfprämie wäre durch die Hintertür die Einführung einer Einheitsversicherung in Deutschland und das Ende der privaten Krankenversicherung», sagte Laue. Von Zusatztarifen allein könne die PKV nicht leben. Der SPD-Politiker Karl Lauterbach begrüßte dagegen die Überlegungen. «Das ist ein Schritt in die richtige Richtung», sagte er der «FTD». Der Links-Politiker Frank Spieth meinte, de Facto gestünden die Privatversicherer das Scheitern ihres Geschäftsmodells ein. (AP, dpa)