Lachen helfen baut Schulen im Norden Afghanistans.
Foto: Lachen helfen e.V.
Seit zehn Jahren baut der Verein «Lachen helfen» Schulen und Krankenhäuser und hilft in Krisengebieten. Am meisten zu tun ist derzeit in Afghanistan. Das Geld dafür kommt auch von Rüstungsfirmen. Mit Video
Lachen kann ganz schön schwer sein - wer wüsste das besser, als die zivilen Opfer von Bombenanschlägen in Afghanistan. Von den psychischen Auswirkungen alltäglicher Waffengewalt sind am stärksten die Kinder in den Krisengebieten betroffen. Aus der Begegnung mit ihnen entstand vor zehn Jahren der gemeinnützige Verein «Lachen helfen».
Die Gründung war die offizielle Fortsetzung einer Privatinitiative deutscher Soldaten, die seit 1996 an friedenssichernden Nato- und UN-Missionen in Bosnien und Kroatien teilnahmen. In ihrer Freizeit verteilten sie Brennholz, Kleidung und Teddybären an die notleidende Bevölkerung.
Nicht nur militärische, sondern auch humanitäre Hilfe
Auf dem Balkan ist Lachen helfen heute immer noch durch Sachspenden aktiv, unter anderem im inzwischen autonomen Kosovo. Seit 2001 konzentriert sich die humanitäre Hilfe auf Afghanistan, wo die Bundeswehr als Teil der Internationalen Nato-Sicherheitsschutztruppe (Isaf ) zum Wiederaufbau und zur Unterstützung der demokratischen Regierung stationiert ist.
Für Lachen helfen ergänzen die Soldaten die Arbeit großer Hilfsorganisationen an Orten, die diese ohne militärischen Schutz nicht erreichen. Wenn ihnen bei Patrouillenfahrten in ihrem Einsatzgebiet Missstände auffallen, können sie ohne große bürokratische Hindernisse Hilfsgüter liefern. Zugleich will die Bundeswehr damit ihren Ruf verbessern: Die Initiatoren der Hilfsaktionen hoffen, «dass sie so nicht als Besatzer geduldet, sondern als Partner begrüßt wird».
«Bildung ist die beste Armutsprävention»
Die meisten Spendengelder werden für Schulen und so genannte Basic Health Center genutzt, die primär in den nordöstlich gelegenen Provinz-Hauptstädten Feyzabad und Kunduz entstehen. «In einem Land, in dem Analphabetentum ein sehr großes Problem darstellt, sind Investitionen in Bildung und medizinische Einrichtungen die beste Armutsprävention und Vorsorge gegen Terrorismus», sagt Vereinschef Roderich Thien.
Verteidigungsminister Franz Josef Jung hält das soziale Engagement der Soldaten auch für eine Art persönliche Therapie: «Allein diese Möglichkeit, vor Ort zu helfen, reicht für viele schon aus, um ihrem Einsatz und der damit verbundenen Trennung von der eigenen Familie einen tieferen Sinn zu geben.»
Zwischenmenschliches Engagement
Lachen helfen setze das staatliche Engagement auf der zwischenmenschlichen Ebene fort, meint Vereinsmitglied Christian Schmidt, Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Zu seinem 50. Geburtstag wünschte er sich anstatt von Geschenken Spendengelder für Afghanistan.
Inzwischen kann Lachen helfen eine ganze Reihe prominenter Unterstützer vorweisen: Unter anderen werben Sänger Thomas Anders, Schauspieler Ralf Möller, Kabarettist Ausbilder Schmidt, Wigald Boning und Barbara Eligmann für den Verein. Die beiden TV-Moderatoren («Clever») spendeten letztes Jahr ihr Preisgeld von 150.000 Euro aus Jörg Pilawas ARD-Quiz. Im Mai reiste Boning sogar persönlich nach Feyzabad, um eine mit dem Gewinn errichtete Schule zu eröffnen.
Erst Waffen liefern, dann die Nachsorge finanzieren
Rund 1,5 Millionen Euro und 100 Lkw mit Sachspenden hat der Verein in seinem zehnjährigen Bestehen schon zusammengetragen. Ein Großteil der Gelder stammt aus Benefizaktionen wie Konzerten vom Musikkorps der Bundeswehr. Zu den Hauptsponsoren gehören pikanterweise aber auch Rüstungsfirmen wie der deutsch-französische Konzern EADS, der letztes Jahr mit einer Waffenlieferung an Libyen für Schlagzeilen sorgte. Der umstrittene Millionendeal war das erste Rüstungsgeschäft Libyens mit dem Westen seit dem Ende des Waffenembargos 2004.