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Tagesthema Bush-Besuch: 

«Die USA haben viel Glaubwürdigkeit verloren»

10. Jun 2008 11:40, ergänzt 11:42
Hans-Ulrich Klose
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Das Urteil über den scheidenden US-Präsidenten fällt parteiübergreifend verheerend aus. Die Netzeitung sprach mit SPD-Außenpolitiker Klose über Bushs Hinterlassenschaft, die potenziellen Nachfolger und persönliche Begegnungen.

Netzeitung: Herr Klose, was hat George W. Bush für die Welt bewirkt?

Hans-Ulrich Klose: Bush hinterlässt eine eher negative Bilanz. Der Irak-Krieg und seine Folgen, die ökonomische Situation in den USA nach der Finanzkrise gehören ebenso dazu wie die mangelnde Bereitschaft, sich konstruktiv dem Klimaschutz zuzuwenden.

Ein schwerer Fehler war zudem Bushs Reaktion nach dem verheerenden Hurrikan Katrina. Gut war dagegen seine Reaktion auf 9/11. Wie er Amerika emotional aufgefangen hat, war sehr überzeugend. Zu beobachten war bei Begegnungen mit Bush immer, dass der persönliche Eindruck sehr viel angenehmer war als der öffentlich vermittelte.

Die US-Administration hat in der Zeit Bushs sehr viel an Glaubwürdigkeit verloren. Das auszugleichen, wird einige Zeit brauchen.

Netzeitung: Mit welchem der zur Wahl stehenden Bush-Nachfolger käme denn die deutsche Außenpolitik besser zurecht?

Klose: Das ist gar nicht so leicht zu sagen. Amerikanische Präsidenten arbeiten immer sehr interessenorientiert und handeln dabei oft auch unilateral. Das würde auch bei Barack Obama und bei John McCain so sein. Beide haben beteuert, sie würden nicht zögern, eigenständig zu handeln, wenn es um die Interessen Amerikas geht.

Netzeitung: Sind solche Entschlossenheitssignale nicht aber auch wahlkampfbedingt?

Klose: Ob sich das ändert, wird man sehen. Bedeutsamer ist, dass McCain Europa gut kennt. Er war ständiger Teilnehmer bei den Münchner Sicherheitskonferenzen. Man kennt ihn auch in Deutschland gut. Er ist glaubwürdig. Er ist aber auch ein Mann, der auf militärische Stärke setzt.

Obama kennt Deutschland und Europa weniger. Er hat aber außenpolitisch ein paar Pluspunkte gesammelt, etwa bei seiner Entscheidung für einen sorgfältig geplanten Rückzug aus dem Irak. Er setzt auch darauf, mit den Gegnern Amerikas zu verhandeln. Das ist ein wichtiger Punkt.

Netzeitung: Was können wir denn bei internationalen Streitthemen wie die Todesstrafe, dem Klimaschutz oder betreffs des Gefangenenlagers Guantánamo erwarten?

Klose: Beide Anwärter müssen grundlegend etwas tun, um das Ansehen der USA in der Welt wieder zu heben. Der im Zusammenhang mit Guantánamo erhobene Foltervorwurf – Vorwurf in Anführungszeichen – lastet schon schwer auf den USA. Das zu ändern, ist Aufgabe beider Kandidaten. Für den Klimaschutz werden beide mehr tun. Bei Obama ist da jedoch eher weniger zu erwarten als bei McCain, weil er der Wirtschaft stärker verbunden ist als sein Konkurrent.

Der frühere Hamburger Senator und 1. Bürgermeister Hans-Ulrich Klose ist stellvertretender Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag. Mit ihm sprach Tilman Steffen.

 
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