09.06.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Fassungslosigkeit über die Telekom herrscht beim BND
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die sorglose Weitergabe von Telefondaten an die Spitzelfirma Network versetzt den Geheimdienst in Alarmstimmung. Auch ausländische Spione könnten sich sensibles Material bei der Telekom besorgt haben.
Die Spitzelaffäre bei der Deutschen Telekom sorgt für erhebliche Unruhe beim Bundesnachrichtendienst (BND) und beim Bundesamt für Verfassungsschutz. Die Weitergabe von Telefondaten an die Berliner Sicherheitsfirma Network weckt in Geheimdienstkreisen die Befürchtung, auch ausländische Spione könnten sich relativ leicht sensibles Material bei dem Bonner Konzern besorgen. Es sei «nicht zu fassen», zitiert das «Handelsblatt» eine Geheimdienstquelle, dass die Telekom Verbindungsdaten nach außen gegeben habe.
BND, Verfassungsschutz und Militärischer Abschirmdienst haben nach dem sogenannten G-10-Gesetz das Recht, zur «Abwehr von drohenden Gefahren» für die äußere und innere Sicherheit auf Daten der Telekom zurückzugreifen. Die Dienste seien deshalb auf «engste und vertrauensvolle Beziehungen» zu dem Unternehmen angewiesen. So hört der BND zur Terrorabwehr mit Hilfe der Telekom Gespräche nach bestimmten Suchbegriffen ab. Das Vertrauen in die Zusammenarbeit mit dem Konzern sei nun jedoch erschüttert, sagte ein Geheimdienstler der Zeitung: «Wer will garantieren, dass nicht höchst sensible Daten über die Telefonverbindungen, die der BND über die Telekom nutzt, ins Ausland gegangen sind?»
BND-Kontakte zu Network dementiertNetwork hatte im Auftrag der Telekom Aufsichtsräte und Journalisten bespitzelt. Dabei soll die Firma auch Telefondaten erhalten haben. Damit hätte der Konzern gegen das Fernmeldegeheimnis verstoßen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in der Affäre unter anderem gegen den ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel und den Ex-Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke, einige Mitarbeiter aus der Sicherheitsabteilung des Unternehmens sowie den Geschäftsführer der Firma, Ralph Kühn. Auch für die Deutsche Bahn war Network im Einsatz.
Für die Geheimdienste ist es Besorgnis erregend, mit welch hoher Professionalität die Mitarbeiter von Network vorgehen. Der BND selbst schließe aber «eindeutig und definitiv» aus, eigene Verbindungen zu der Berliner Firma unterhalten zu haben, schreibt das «Handelsblatt». Damit werden Gerüchte aus den vergangenen Tagen dementiert, Network arbeite auch mit deutschen Geheimdiensten zusammen. (nz/dpa/AP)