05. Jun 2008 17:14
Die Umfragewerte der SPD nähern sich denen der NPD. Das beschleunigt Absetzbewegungen. In Dresden ist es jetzt soweit, dass der Kandidat für die Oberbürgermeister-Wahl als Sozialdemokrat nicht erkannt werden will, berichtet
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Dass er sich seiner Parteizugehörigkeit schäme, sei jedoch eine Unterstellung, so Lames. «Als promovierter Autoschlosser werde ich das niemals tun.» Sächsische SPD-Mitglieder haben dennoch Verständnis für die Entscheidung des 44-Jährigen. «Man ist ja nicht nur Genosse, sondern auch immer noch Mensch. Und warum soll man sich von Kurt Beck vor Ort das kaputtmachen lassen, was man erfolgreich aufgebaut hat?», sagt eine SPD-Stadträtin.Der Frust des Fußvolkes auf den Parteichef aus Mainz sitzt tief. Zu verworren waren die Ansagen aus dem Willy-Brandt-Haus in den letzten Monaten. Das Scheitern der Zusammenarbeit mit der Linkspartei in Hessen, die Mitgliederflucht, das Zögern Becks in der Kandidatenfrage für die Bundespräsidenten-Wahl 2009 – all das nervt die Wähler, die Parteimitglieder und nun sogar den Dresdner OB-Kandidaten, der lieber als Person, nicht aber als Sozialdemokrat gewählt werden will.
In der Bundestagsfraktion sind solche Gedankenspiele unerwünscht. «Jeder, der in Dresden wählt, verbindet mit Peter Lames auch die SPD», sagt die Dresdner Bundestagsabgeordnete Marlies Volkmer. «Dass er auf das SPD-Logo verzichtet, hat überhaupt nichts mit den schlechten Umfragewerten der Partei zu tun, sondern ist ein Signal dafür, dass er sich als Kandidat aller Wähler versteht.»
Doch warum sollte ein SPD-Kandidat sich zu seiner Partei bekennen, wenn diese von permanentem Sympathieverlust gepeinigt ist? Was Volkmer so entschieden zurückweist, ist dem konservativen Lager seit langem vertraut: «Das haben wir auch schon so gemacht, wenn die Werte für die Bundespartei allzu schlecht waren», heißt es aus der Union. «Das ist normal.»Ob auch bislang treue SPD-Wähler diese Taktiererei verstehen, bleibt allerdings fraglich. Der Chemnitzer Wahlforscher Eckhard Jesse jedenfalls hält Lames' Spiel für riskant. «Das ist strategisch äußerst ungeschickt, denn so ein Signal schwächt die Partei massiv. Ich verstehe nicht, dass die SPD das zulässt.»