Zukunftskonvent der SPD: 

netzeitung.deBeck glänzt im Schwan-Schatten

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Gegen sie wirkt er ein bisschen klein (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gegen sie wirkt er ein bisschen klein
Foto: dpa
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Da waren sich alle Beobachter einig: So gut hat der oberste Sozialdemokrat schon lange nicht mehr geredet. Mit der Popularität der neuen Kandidaten fürs Bundespräsidentenamt kann er allerdings nicht mithalten.

Kurt Beck konnte sich die Anspielung nicht verkneifen: Die fast 3000 Teilnehmer des SPD-Zukunftskonvents kamen bei Unwetter, Blitz und Hagel nach Nürnberg, doch am Ende des Kongresses herrschte draußen wieder eitel Sonnenschein. «Ihr werdet es sehen, wenn ihr die Halle verlasst», rief er ihnen am späten Samstagnachmittag in seinem Schlusswort zu. Ob das analog auch bald wieder für die Umfragen gilt, ist noch die Frage. Doch immerhin gelang es dem SPD-Vorsitzenden, die Genossen mit einer kämpferischen Rede wieder ein wenig aufzurichten.

Mit einer unzweideutigen Absage an die Linke im Bund, offenem Werben um ein Ampelbündnis nach der Wahl 2009 und mehr Selbstbewusstsein in der Großen Koalition versuchte er seinen Parteifreunden einen Weg aus der Misere zu weisen. War er beim Einzug in den Saal noch mit verhaltenem Beifall begrüßt worden, erhielt er nach der gelungenen Grundsatzrede stehenden Applaus.

Doch die Ovationen, mit denen die SPD-Basis die Bundespräsidenten-Kandidatin Gesine Schwan feierte, stellten am Ende alles in den Schatten. In einem schlichten grau-gepunkteten Kleid mit roter Jacke darüber eroberte die Hochschulpräsidentin aus Frankfurt an der Oder auf dem Nürnberger Kongress die Herzen der Partei im Flug. Locker, ja geradezu fröhlich sprach die gerade von einem Vortrag aus Italien gekommene Schwan ein Grußwort, das erfrischend wenig mit verquaster Politikersprache zu tun hatte. Sie warb ebenso für Fairness im Parteienstreit wie für ein soziales Europa, sprach Beck Mut zu und attestierte der SPD, sie sei auf der Höhe der Zeit und keineswegs gespalten.

«Also, wenn ihr wollt, dann machts»
Zwischendurch zeigte sie sich erst vom Beifall überrascht, ermutigte die SPD-Basis, als er dann doch wieder aufbrandete, aber mit den schlichten Worten: «Also, wenn ihr wollt, dann machts.» Gesine Schwan gelang es, mit dem kurzen Auftritt die geschundene Seele der Sozialdemokraten zu erreichen. Wäre sie nicht gerade erst fürs höchste Amt im Staat auserkoren worden, könnte man auf den Gedanken kommen, Beck und Außenminister Frank-Walter Steinmeier müssten sich womöglich noch auf eine Konkurrentin im Rennen um die SPD-Kanzlerkandidatur einrichten.

Dabei hat es der viel gescholtene und von immer schlechteren Umfragewerten gezeichnete Parteivorsitzende in Nürnberg allen Kritikern gezeigt. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz, die hessische SPD-Chefin Andrea Ypsilanti und der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit mussten seine 78 Minuten dauernden Ausführungen am Samstagvormittag zusammen mit anderen SPD-Vorstandsmitgliedern auf der Bühne im Stehen anhören. Doch die Unbequemlichkeit zahlte sich aus. Beck, mit dessen rhetorischen Fähigkeiten es nicht immer zum Besten steht, hatte einen wirklich guten Tag.

Beck überzeugt mit Aufbruchrede
Mit seiner Aufbruchrede erfüllte er durchaus die hochgespannten Erwartungen in dem Versuch, der ältesten und derzeit noch immer knapp größten Partei Deutschlands wieder Mut zu machen. Im Gegensatz zu seinem von vielen als unsäglich und unstrukturiert empfundenen Beitrag auf dem Hamburger SPD-Parteitag letzten Herbst fand Beck im Nürnberger Congresscenter klare Worte. Der Linken verpasste er so viele Ohrfeigen, dass man sich schon fragen muss, ob deren Stimmen für die Wahl Schwans zur Bundespräsidentin überhaupt noch erreichbar sind: unverantwortliche Milliardenversprechen, Ausgabenorgie, nationale statt internationale Außenpolitik, Absage an NATO und EU-Reformvertrag hielt er ihr vor. Linkspartei und unabänderliche Überzeugungen der Sozialdemokratie seien grundlegend auseinander, «und deshalb geht es mit Euch nicht», rief er an die Adresse Oskar Lafontaines und Gregor Gysis aus.

Was aber dann nach der nächsten Bundestagswahl? «Allein ist am schönsten», rief der in Mainz mit absoluter Mehrheit regierende Ministerpräsident aus. Er müsse aber zugeben, dass das «im Bund noch etwas dauern» könne, fügte Beck hinzu. Und umgarnte FDP und Grüne wie selten. Die rot-grüne Koalition Gerhard Schröders lobte er ebenso wie die sozialliberalen unter Willy Brandt und Helmut Schmidt. Sogar das Hambacher Fest und die Paulskirchen-Versammlung von 1848/49 führte er als Beleg für Gemeinsamkeiten mit den Liberalen an.

Für Leistungsträger und Schwache
Eine Neuauflage der Großen Koalition will Beck im kommenden Jahr wenn irgend möglich vermeiden. Und wie im Bündnis von CDU/CSU und SPD mittlerweile üblich, sparte er nicht mit Kritik am und Vorwürfen gegen den Regierungspartner. Nur wenn es gar keine verantwortbare Alternative gebe, müssten Parteiinteressen zurückstehen, hielt er sich auch da eine Tür offen und machte klar, dass im Notfall eher doch wieder die Union als die Linkspartei der Partner wäre.

Auch selbstkritische Töne fehlten nicht in Becks Rede. Offen sprach er an, dass die «Großkopferten» seiner Partei nicht immer das beste Bild abgeben. Der Basis machte er artig Komplimente und versprach, deren Solidarität als Verpflichtung anzunehmen. Inhaltlich aber knüpfte er an alte und neue SPD-Traditionen zugleich an: Das Eintreten sowohl für Leistungsträger als auch für Schwache in der Gesellschaft sei Richtschnur des Handelns in der Bundesregierung, betonte Beck. (Gerhard Kneier, AP)