| | | | | Telekom-Skandal: Regierung sägt an Obermanns Stuhl30. Mai 2008 15:07  |  T-Chef Obermann gerät unter Druck | Foto: dpa |
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Für den Telekom-Chef wird die Luft dünner. Politiker von Union und SPD drängen auf eine lückenlose Aufklärung des Spionageskandals - und fordern im Zweifel personelle Konsequenzen an der Konzernspitze.
Nachdem sich Berlin zunächst demonstrativ hinter ihn gestellt hatte, erfährt Telekom-Chef René Obermann nun, was es heißt, an der Spitze eines Konzerns zu stehen, dessen Machenschaften die «Spiegel-Affäre» von 1962 als Bagatelle erscheinen lassen. Schweres Geschütz fährt etwa Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach auf: «Die Bundesregierung erwartet, dass Herr Obermann ohne Rücksicht auf das Ansehen der Personen den Skandal rückhaltlos aufklärt», sagte er am Freitag dem «Handelsblatt» (Online-Ausgabe). Bosbach erwarte, dass auch die Telekomspitze zur Verantwortung gezogen wird - ein deutlicher Wink in Richtung Obermann.
Am Donnerstag hatte die Staatsanwaltschaft bei einer bundesweiten Razzia die Büroräume der Telekom durchsucht und ein Ermittlungsverfahren gegen «weniger als zehn Personen» eingeleitet. Darunter sind auch der frühere Konzernchef Kai-Uwe Ricke und der ehemalige Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel. Unter anderem geht es um den Verdacht von Verstößen gegen Fernmeldegeheimnis und Datenschutz. Bei der Razzia in der Telekomzentrale wurde auch das Büro von Obermann durchsucht.«Es ist nicht zu glauben, dass die Führung der Telekom von diesen kriminellen Methoden nichts wusste», sagte Bosbach. Es sei weder ausreichend noch glaubwürdig, wenn die Verantwortung für diesen Skandal am Ende ein Mitarbeiter der Sicherheitsabteilung tragen müsse.
Der innenpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Dieter Wiefelspütz, findet noch schärfere Worte: «Der Saustall Telekom muss ausgemistet werden», sagte der Politiker dem «Kölner Stadt-Anzeiger». Die Vertraulichkeit der Daten sei die Grundlage eines Telekommunikationsunternehmens. «Was die gemacht haben, ist in etwa so, als würde ein Nahrungsmittelhersteller Gift in Nahrungsmittel geben. Das ist ein unglaublicher Vorgang», so Wiefelspütz.
In Teilen der Wirtschaft fehle es «an einem Mindestmaß an Anstand und an Achtung vor Recht und Gesetz», meinte der SPD-Parlamentarier. Deshalb müsse die Politik jetzt den privaten Datenschutz in der Wirtschaft massiv thematisieren. Hier müsse es Aufsicht und Kontrolle geben. «Man kann den Datenschutz der Wirtschaft offenbar nicht allein der Wirtschaft überlassen», so Wiefelspütz. (nz)
Die Akteure im TelekomskandalKai-Uwe-Ricke Das Kapitel Telekom lässt den früheren Konzernchef nicht los: Im April musste der 46-Jährige als Zeuge im Schadensersatzprozess enttäuschter Aktionäre aussagen, nun steht er selbst im Visier der Staatsanwaltschaft. Die Bonner Anklagebehörde ermittelt gegen den Manager im Zusammenhang mit der Ausspähung von Aufsichtsräten und Journalisten in den Jahren 2005/2006. Nach Angaben des früheren Telekom-Personalchefs Heinz Klinkhammer soll der Auftrag dazu aus dem Umfeld Rickes und des früheren Aufsichtsratschefs Klaus Zumwinkel gekommen sein. Ricke, der im November 2006 von seinem Chefposten zurücktrat, bestreitet die Vorwürfe. Wegen des dahinsiechenden Aktienkurses war Ricke nach vier Jahren Amtszeit durch Obermann ersetzt worden.Klaus Zumwinkel Für Klaus Zumwinkel ist es dieses Jahr nicht der erste Ärger mit den Ermittlungsbehörden. Im Februar trat er als Postchef und als Aufsichtsratschef der Telekom zurück, weil ihm Steuerhinterziehung in Millionenhöhe vorgeworfen wurde. Nun wird im Zusammenhang mit dem Skandal gegen den Manager ermittelt - wegen des Verdachts von Verstößen gegen Fernmeldegeheimnis und Datenschutz. Zumwinkel galt zuvor als einer der erfolgreichsten und seriösesten deutschen Manager, war länger an der Spitze eines Dax-Konzerns als jeder andere. Das Ende dieser Ära markierte im Frühjahr die spektakuläre Durchsuchung seiner Kölner Villa. René Obermann Massive Gewinneinbrüche, wochenlanger Streik um die Auslagerung von 50.000 Jobs, anhaltender Kundenschwund - seit Amtsantritt im November 2006 hat Konzernchef Obermann bereits einige Probleme bewältigen müssen. Der aktuelle Skandal dürfte dem 45-Jährigen besonders unangenehm sein. Mit einer Selbstanzeige der Telekom bei der Bonner Staatsanwaltschaft brachte er das Verfahren am 14. Mai ins Rollen. Gegen den Manager, der den Konzernvorstand nach der Übernahme des Chefpostens von Ricke komplett umbaute, wird nicht ermittelt. Dennoch gerät auch Obermann unter Druck, weil er bereits seit Sommer 2007 von Bespitzelungen gewusst hat, ohne dass die Betroffenen informiert wurden. Ulrich Lehner Er ist erst seit kurzem im Amt, doch schon muss sich Aufsichtsratschef Ulrich Lehner in einer ersten Krise bewähren. Der frühere Henkel-Chef hat sich entsetzt über den Skandal gezeigt und mitgeteilt, das Kontrollgremium unterstütze die Maßnahmen zur Aufklärung. Er kündigte zudem an, der Konzern werde den von der Bespitzelungsaktion betroffenen Aufsichtsratsmitgliedern juristische Unterstützung leisten. Der 61-jährige war von Mai 2000 bis zum April dieses Jahres Vorstandschef bei Henkel. Im April trat er die Nachfolge von Klaus Schlede als Aufsichtsratsvorsitzender an, der den Posten für eine Übergangszeit im Februar von Zumwinkel übernommen hatte. |
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