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Strategie für Kindergesundheit: 

Kampf den Kampftrinkern

27. Mai 2008 17:50
Ministerin Schmidt
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Sie will die Modebranche als Partner im Kampf gegen Magersucht gewinnen, das Image des Fahrrads heben, damit sich Kinder und Jugendliche mehr bewegen. Doch die Regierung recycelt ihre eigenen Pläne.

Die Bundesregierung unternimmt einiges, die Gesundheit von Kindern zu verbessern. 2007 begannen die ersten Vorhaben zu wirken, bis 2012 soll das bereits Geplante und Begonnene Wirklichkeit sein. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt führt gern eines ihrer Großprojekte an: Den «Nationalen Aktionsplan Bewegung und Ernährung» ihres Ministeriums und des Ernährungsressorts von CSU-Kollegen Horst Seehofer.

Die zu lösenden Probleme trug das Robert-Koch-Institut in einer Ende 2006 veröffentlichten Studie zusammen. Erst die damals klar gewordenen Zusammenhänge zwischen Sozialstatus und Gesundheitszustand der Kinder ermöglichen, deren Lage gezielt zu verbessern.

An der «Strategie zur Förderung der Kindergesundheit» beteiligt sind neben dem Gesundheitsministerium die Ressorts Ernährung, Bildung und Familie, Jugend, Soziales oder die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Sämtliche Ministerien, die mit dem Thema Kindern und deren Gesundheit beschäftigt sind, können so ihre Pläne und Projekte aufeinander abstimmen.

Besonders will die Regierung den Anteil der geimpften Kinder auf 95 Prozent erhöhen. Hinzu kommt die Aufgabe, zu erreichen, dass mehr Eltern ihren Nachwuchs zu den Früherkennungsuntersuchungen bringen. Krankenkassen will sie zu mehr zur Kooperation verpflichten, um zu erreichen, das der Arztbesuch nicht unterbleibt. Dem Bewegungsmangel bei Jugendlichen und der Fehlernährung durch zu unausgewogene oder zu fettige Kost sagt sie den Kampf an, ebenso Rauchern, Trinkern und Kiffern unter den Jugendlichen. Besonderes Problem sind hier die «Kampftrinker», die sich an Partyabenden ohne Unterlass alkoholisieren, um den Totalabsturz zu durchleben.

Konkret will Schmidt:

- Gesundheitsförderung und Vorbeugung (Prävention) zu einem eigenständigen Bereich der Gesundheitsversorgung machen

- eine zusätzliche Vorsorge-Untersuchung für Kinder von drei Jahren einführen. Sie ist von den Ländern bereits beschlossen und wird von ihr geprüft. Sanktionen für Säumige Eltern lehnt sie ab.

- die Gesundheitsvorsorge in den Kindertagesstätten und Schulen verbessern

- dafür sorgen, dass sozial schwache Familien nicht bei der Gesundheitsvorsorge außen vor bleiben.

- gesundheitliche Risiken in Verkehr und Umwelt, etwa durch Arzneimittel, sowie Verletzungsgefahren minimieren

- dass Solarien für Minderjährige tabu sind.

Nicht alles muss neu entwickelt werden. Einige Projekte und Kampagnen bestehen bereits:

- Mit einem Nationalen Aktionsplan versucht die Regierung, das Bewegungs- und Essverhalten von Kindern zu verbessern. Finanzvolumen: 30 Millionen Euro aus zwei Ministerien bis 2011.

- Mit einer Kampagne «»Hart am Limit« geht die Regierung gegen zu hohen Alkoholkonsum bei Jugendlichen vor.

Wer zu hohe Erwartungen an Schmidts Strategie stellt, wird enttäuscht. Sie ist ist eine Melange verschiedener Projekte der betroffenen Ministerien, die bereits existieren und sogar erste Resultate erzielten. So hatten sich Bund und Länder bereits Ende 2007 auf den Ausbau und die Pflicht zur Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen geeinigt. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat inzwischen einen Vorschlag für eine zusätzliche «U7a» im dritten Lebensjahr gemacht, den Schmidt noch prüft. Auch Präventionsprogramme gegen das Rauchen und den Missbrauch von Alkohol bei Jugendlichen laufen bereits, zum Teil sogar mit Erfolg. Die Raucherquote bei Teenagern ist zuletzt messbar gesunken, bei unter Zwölfjährigen um 20 Prozent.

Das seit Jahren debattierte Präventionsgesetz, das auch zusätzliche Mittel der Sozialversicherungen für die Vorsorge mobilisieren soll, liegt dagegen weiter auf Eis. Noch fehle die Einigung mit der Union, sagte Schmidt. «Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass wir in dieser Legislaturperiode noch einen Schritt weiter kommen.»

Die Regierung versteht ihre Strategie als Anregung an die Länder, weitere eigene Ideen zu entwickeln. Ihr eher bescheidenes Ziel: Die Akteure im bereich Kindergesundheit «besser zu vernetzen». Verantwortlich für die Einzelnen Vorhaben bleiben nach wie vor die Ministerien. Immerhin ein Zieltermin ist genannt: Bis 2012 soll alles verwirklicht sein.

 
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